Rentner-Weihnacht

Wie viel Rente bekommen künftige Senioren auf die Hand? Andrea Nahles will eine Mindestgrenze einführen. Bild: dpa

Die Ost-West-Rentenangleichung kommt - später. Die Kleinen gehen vorerst leer aus - eine Solidarrente soll es künftig für sie regeln. Das Rentenniveau soll hoch, die Beiträge niedrig bleiben. Das gibt es nicht umsonst.

Berlin. Union und SPD schnüren ihr Weihnachtspäckchen für die Ostrentner schon zum 1. Advent. Bei genauerem Hinsehen ist die Botschaft der Koalition für den Osten aber eher: Heutige Arbeitnehmer müssen sich keine Sorgen machen. Was der Koalitionsgipfel zur Rente gebracht hat - und was folgen dürfte:

Wie sieht die Renten-Einheit aus?

Sie soll in acht Schritten ab 2018 bis 2025 erfolgen - 35 Jahre nach der deutschen Einheit. Dafür werden aber auch die Löhne in Ostdeutschland bei der Berechnung der Renten-Anwartschaften dann nicht mehr höher bewertet. Die zeitliche Streckung bewirkt, dass es nicht so teuer wird. Die Löhne heutiger Arbeitnehmer im Osten werden zunächst weiter bei der Rente aufgewertet.

Wie wird nun finanziert?

Obwohl Nahles davon ausgegangen ist, dass das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und damit der Steuerzahler die bis zu 3,9 Milliarden Euro stemmen müsse, gab es am Tag nach dem Rententreffen reichlich Verwirrung. Das Finanzministerium von Wolfgang Schäuble (CDU) sieht den Beitragszahler, also die Rentenversicherung, am Zug. Nun wird weiter darüber verhandelt.

Gab es eine weitere Einigung?

Ja, bei Verbesserungen für erwerbsgeminderte Rentner. Deren Renten sollen künftig so berechnet werden, als ob sie bis 65 gearbeitet hätten, nicht wie heute bis 62. Die Verbesserungen sollen zwischen 2018 und 2024 erfolgen. Dies bringt den Betroffenen den Angaben zufolge im Schnitt 50 Euro mehr im Monat. 2015 lagen die Bezüge in Westdeutschland im Schnitt bei 730 Euro im Monat. Kostenpunkt: langfristig bis zu drei Milliarden Euro im Jahr. Arbeitgeber sollen künftig einen Zuschuss von bis zu 144 Euro bekommen, wenn sie für Arbeitnehmer mit einem Einkommen bis 2000 Euro bis zu 480 Euro jährlich in die betriebliche Altersvorsorge stecken. Auch bei der privaten Vorsorge soll der staatliche Zuschuss um 11 Euro auf 165 Euro steigen.

Warum hat es mit der Lebensleistungsrente nicht geklappt?

Diese Regelung könnte in der Tat gesetzestechnisch schwierig werden. Denn Geringverdiener ist nicht gleich Geringverdiener.

Was geschieht nun?

Diese Renten für Geringverdiener tauchen nun im Gesamtkonzept von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) als Solidarrente auf. Beschäftigte sollen ein Alterseinkommen von 10 Prozent über der Grundsicherung bekommen, wenn sie 35 Jahre Beitragszeiten hatten, auch in der Erziehung oder Pflege. Einige Jahre Arbeitslosigkeit werden großzügig mit verrechnet. Laut Nahles kostet das bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr.

Wo soll es längerfristig hingehen?

Nahles stellte am Freitag ihre lang diskutierte Vorstellung von einer doppelten Haltelinie vor. Danach will sie den Menschen in Deutschland bis 2045 ein Rentenniveau von mindestens 46 Prozent garantieren. Der Beitragssatz soll bis dahin nicht über 25 Prozent steigen. Es dürfe aber gerne auch ein Rentenniveau von 48 Prozent und ein Beitragssatz von maximal 24 Prozent sein. Dazu sei ein nationaler Aktionsplan notwendig. Die Umsetzung ihres gesamten Konzeptes würde 2045 mehr als 11 Milliarden Euro im Jahr kosten.
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