Republik Moldau nach Parlamentswahl gespaltener denn je - Putin lässt nicht locker
Glanzloser Sieg der Proeuropäer

Für die proeuropäischen Kräfte in der früheren Sowjetrepublik Moldau ist die Parlamentswahl ein zweischneidiger Erfolg. Nach fünf Jahren an der Macht konnten sie ihre Mehrheit in dem verarmten Agrarland mit 3,5 Millionen Menschen nur knapp verteidigen. Dagegen sieht sich das prorussische Lager auf dem Vormarsch - obwohl die Behörden die Patria-Partei wegen Spenden aus dem Ausland im letzten Moment aus dem Rennen nahmen. Insgesamt drei proeuropäische Kräfte können nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen zusammen mit einer Mehrheit der 101 Mandate rechnen, teilte die Wahlleitung mit. Stärkste Einzelkraft wurde aber überraschend die prorussische Sozialistische Partei.

Für den Weg nach Europa wird das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine nun vor allem die seit langem angekündigten Reformen angehen müssen - den Kampf gegen die Korruption etwa.

Viele Moldauer vermissen weiter Verbesserungen in ihrem Leben in dem strukturschwachen Land. Zwar können sie nun visafrei in die EU reisen, was nach Meinung von Beobachtern viel ausmachte für eine prowestliche Stimmung. Dem gegenüber steht aber immer größerer Druck vonseiten Russlands, das sich seit Sowjetzeiten eng mit der einst von Diktator Josef Stalin annektierten Republik verbunden sieht.

Wie die Ukraine ist das viel kleinere Moldau ein Zankapfel zwischen der EU und Russland. Die prowestliche Regierung in Chisinau ist mit Brüssel - wie Kiew - eine enge Partnerschaft eingegangen. Russland aber hätte das Land gern in die Eurasische Wirtschaftsunion gezogen. Ohne den Ausschluss der Patria-Partei wäre das Ergebnis wohl anders ausgefallen - zugunsten Moskaus, meint der russische Politologe Jewgeni Mintschenko. Beobachter gehen davon aus, dass Kremlchef Wladimir Putin das Land nicht einfach so in die EU ziehen lassen wird.
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