Republikaner droht mit Nichtanerkennung der Wahl
Trumps Spiel mit dem Feuer

Hillary Clinton und Donald Trump im Thomas-Mack-Center in Las Vegas bei ihrer dritten und letzten TV-Debatte. Bild: dpa

Dritte TV-Debatte Trump gegen Clinton. Grimmig und unversöhnlich verkeilen sie sich. Dann kommt es zum Eklat: Auf die Frage, ob er die Wahl anerkennen werde, gibt Trump keine klare Antwort.

Las Vegas. Im letzten Drittel kommt der Kracher, der diese Debatte definieren wird und die Wahl endgültig entscheiden kann. Ob er, Donald Trump, das Wahlergebnis des 8. November anerkennen werde? Nun, sagt der - mal sehen. Noch nie in der US-Geschichte hat es einen Präsidentschaftskandidaten gegeben, der ein Wahlergebnis nicht anerkennt. Der sehr gute Moderator Chris Wallace ist sichtlich irritiert, baut dem zornigen Republikaner eine Brücke, beschwört die lange Tradition, wonach der Verlierer den Sieger anerkenne - zum Wohle des Landes, damit es nach langem Kampf wieder zusammenfinde. Aber Trump bleibt störrisch: Man werde sehen. Keine Zusage.

Die Reaktionen sind in den USA einhellig, vernichtend, oft entsetzt. Ein Anschlag auf einen Grundpfeiler der Demokratie nennen das US-Medien. Weitere Republikaner wenden sich von ihrem Kandidaten ab, fassungslos. Eilig versichert die Parteiführung, aber sicher werde man das Ergebnis anerkennen - ein weiterer Bruch mit dem Kandidaten.

Ein starkes Stück


Auch Trumps Lager bemühte sich nach Las Vegas, den Eindruck zu streuen, er werde das Ergebnis akzeptieren. Nicht nur US-Medien empfinden es als starkes Stück, dass das überhaupt der Erwähnung wert ist. Seit Tagen behauptet Trump, die Wahl werde ihm gestohlen. Verschwörung, Kartelle, die Medien, alle seien für Hillary Clinton. In einem aufgeladenen, gespaltenen Land ein Spiel mit dem Feuer. Seit Monaten gibt Clinton sich alle Mühe, Trump als Gefahr für die Demokratie darzustellen. Mit seiner nun an den Tag gelegten Haltung erfülle Trump diese Erwartung perfekt, kommentiert CNN am Morgen danach.

Dass Trump ordentlich vorbereitet wirkte und durchaus seine Punkte machte, wird keine Rolle mehr spielen. Die gesamte dritte Debatte wird auf den einen Moment zusammenschnurren, in dem Trump mit schmalen Augen ein klares Ja auf die entscheidende Frage verweigert.

Dabei hatte für ihn alles nicht schlecht begonnen. Eine halbe Stunde lang war er konzentriert und bei sich. Dann, wie schon in früheren Debatten, konnte er irgendwie nicht mehr an sich halten. Als halte er das alles nicht mehr aus. Da alle wichtigen Umfragen Trump mit wachsendem Abstand hinten sehen, musste der in der Stadt der Spieler vollen Einsatz gehen. Die Debatte selbst hatte tatsächlich hochintensive, inhaltliche Momente, knisternd vor Ernsthaftigkeit, mit fundamentalen Unterschieden der Positionen. Neue Konzepte gab es nicht - wer noch keine Vorstellung von den Kandidaten hatte, konnte sie sich jetzt machen. Wer schon ein Bild hatte, durfte alle Farben kräftig nachmalen.

Letzte Chance vertan


Für Trump galt diese Debatte als eine Art letzter Chance, das Ruder noch herumzureißen. Nur mit einem haushohen Sieg hätte ihm Las Vegas vielleicht etwas gebracht. Nicht nur die Blitzumfragen danach machten klar, dass das nicht gelungen ist.

Es bleibt dabei: Diese Kandidaten sind sich gegenseitig die größte Quelle ihrer Kraft. Nichts befeuert ihre Lager mehr als die Motivation, nur ja den jeweils anderen im Weißen Haus zu verhindern. Clinton, in das strahlende Weiß einer Art Engelsuniform gewandet, gibt sich extrem präsidentiell. Ruhig und schneidend. Als hätte sie diese Art der Auseinandersetzung unendlich satt.

Über die Wahl hinaus


Keine drei Wochen mehr bis zur Wahl. Der eine Kandidat möchte seine Kontrahentin ins Gefängnis werfen lassen und eine mögliche Niederlage nicht anerkennen. Die andere bleibt dem Gegner in historischen Werten der Unbeliebtheit verbunden. All das wirft einen langen Schatten auf den Rest dieses Wahlkampfs - und wohl weit darüber hinaus.

Wenn Trump die Wahl nicht anerkennt ...Donald Trump hat gesagt, er werde sich das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 8. November ansehen und erst dann entscheiden, ob er es anerkennt. Was passiert, wenn er die Anerkennung verweigert? Die politischen Folgen mögen erheblich sein, gilt doch die Anerkennung des Siegers ebenso als ein Grundpfeiler der Demokratie wie eine friedliche Übergabe der Macht. Noch nie hat ein unterlegener Präsidentschaftskandidat in den USA seine Niederlage nicht anerkannt. Trotzdem hätte eine Verweigerung der Anerkennung nicht sofort juristische Folgen, sie würde keine automatische Neuauszählung auslösen. Schon gar nicht USA-weit, da die einzelnen Bundesstaaten die Wahl organisieren. Damit sich Gerichte mit dem Ergebnis befassen, braucht es begründete Zweifel an der Auszählung in einem oder mehreren Bundesstaaten. Das oder die Ergebnisse müssten einzeln angegriffen werden, und zwar spätestens sechs Tage vor dem Treffen der Wahlmänner am 19. Dezember. Letztlich entschiede der jeweilige Supreme Court, das Oberste Gericht des Staates, über eine Neuauszählung. Der bekannteste Fall stammt aus dem Jahr 2000. Damals zweifelte der Demokrat Al Gore das Ergebnis im Bundesstaat Florida an. Der dortige Supreme Court lehnte eine Neuauszählung ab, das Oberste US-Gericht bestätigte diese Entscheidung. Gore akzeptierte George W. Bush als Präsidenten. Ausdrücklich verwies der Unterlegene darauf, dass diese Anerkennung zum Wohl des Landes geschehe - auch wenn er persönlich anderer Ansicht sein möge. (dpa)
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