Richtungsstreit vor Bundesparteitag in Stuttgart Machtkampf um den Kurs der AfD
Machtkampf um den Kurs der AfD

Wohin geht die AfD? Parteichefin Frauke Petry ist im Bundesvorstand zunehmend isoliert. Bild: dpa

An diesem Wochenende will die AfD in Stuttgart Teile ihres Programms beschließen. Dabei bricht ein alter Streit über den richtigen Kurs wieder auf. Parteichefin Frauke Petry sucht die Entscheidung.

Berlin. Vor dem AfD-Bundesparteitag ist der Richtungsstreit zwischen Parteichefin Frauke Petry und dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke neu ausgebrochen. Petry hatte dem Magazin "Stern" gesagt: "Die AfD wird sich entscheiden müssen, wo sie hin will. Will sie eine konservativ-liberale oder eine nationalkonservativ-soziale Partei sein?"

Höcke entgegnete nun: "Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit für die AfD, sich grundsätzlich für einen bestimmten Kurs zu entscheiden." Er erklärte weiter: "Im Gegenteil: Die Partei muss sich möglichst breit aufstellen und das Beste aus konservativen, liberalen und sozialen Traditionen in einem neuen Patriotismus verbinden." Während Höcke seine Stellung in der Partei in den vergangenen Wochen gefestigt hat, ist Petry im Vorstand zunehmend isoliert.

Zur Bundespräsidenten-Wahl im Februar 2017 will die AfD einen Kandidaten aufstellen. Nach Medienberichten soll es sich um den Vizeparteichef und Leiter der AfD-Programmkommission, Albrecht Glaser (74), handeln. Der ehemalige Frankfurter Stadtkämmerer ist in der AfD für seine oft ausufernden Grundsatzreden bekannt. Er dürfte wegen der Mehrheitsverhältnisse aber völlig chancenlos sein.

Führende AfD-Politiker eröffneten zudem eine Diskussion über die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 und stellten so indirekt den Anspruch der Parteivorsitzenden Petry in Frage. Der "Bild"-Zeitung sagte der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland (75), wer Spitzenkandidat werde, sei noch "völlig offen" und müsse von einem Parteitag entschieden werden. Es sei aber "wahrscheinlich, dass derjenige, der dann Parteichef ist, die besten Chancen hat".

Großes Polizeiaufgebot


Mehr als 1000 Polizisten sollen den AfD-Bundesparteitag in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart schützen. Insgesamt sind für Samstag drei Demonstrationen gegen das Treffen der Partei angemeldet. Die Polizei äußerte die Sorge, dass gewaltbereite Protestierer vom Ort des Parteitags in die Innenstadt ziehen könnten. Für den Bundesparteitag haben sich mehr als 2000 AfD-Mitglieder angemeldet.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat das geplante Grundsatzprogramm der AfD scharf kritisiert. Das Programm sei auch rechtspolitisch "der Fahrplan in ein anderes Deutschland", sagte Maas.

18 Prozent im Nordosten?


Trotz des Richtungstreits eilt die AfD von Erfolg zu Erfolg. Ein neuer Coup könnte bei der nächsten Landtagswahl am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern gelingen. Eine neue Wahlumfrage von infratest dimap sieht die AfD dort bei 18 Prozent. (Kommentar und Seite 4)
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