Rousseff kämpft gegen Amtsenthebung
Letzter Akt im Brasilien-Drama

Die suspendierte brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kämpft um ihr Amt und um ihr Ansehen. Am Montag stellte sie die Kampagne zu ihrer Abwahl als Staatsstreich dar. Bild: dpa

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kämpft gegen ihre Amtsenthebung, wittert eine Allianz der Putschisten und erinnert an die Zeit im Folterkeller. Jetzt drohe sie wieder große Ungerechtigkeit zu erfahren.

Brasilia. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat im Amtsenthebungsverfahren gegen sie alle Vorwürfe zurückgewiesen und vor einem Bruch der Demokratie gewarnt. "Wir stehen vor einem Staatsstreich", sagte sie am Montag in ihrer Verteidigungsrede im Impeachment-Prozess im Senat. "Ich habe nicht ein Verbrechen gegen meine Verantwortung begangen", betonte sie mit Blick auf umstrittene Vorwürfe wie Tricksereien zur Schönung des Staatsdefizits. Dennoch scheint bei der Abstimmung am Dienstag im Senat die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit sicher.

Auf der Tribüne verfolgte ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva die bewegende Rede. Er hatte noch versucht, Senatoren vor der Abstimmung auf die Seite des Lagers der Arbeiterpartei zu ziehen, um das von ihm 2003 begonnene linke Regierungsprojekt, das Millionen Menschen aus der Armut befreit hat, zu retten. Doch ungeachtet der Stichhaltigkeit der Vorwürfe trauen viele Rousseff vor allem nicht zu, das Land aus der tiefen Rezession zu führen. Sie sei 2014 von 54 Millionen Menschen rechtmäßig wiedergewählt worden, appellierte Rousseff, den Willen des Volkes zu achten.

Rousseff unterstellte den Senatoren und ihrem wahrscheinlichen Nachfolger Michel Temer, dass sie nicht mit einer Frau an der Staatsspitze abfinden könnten. Und sie erinnerte an ihre Zeit im Folterkeller während der Militärdiktatur. "Ich hatte Todesangst", sagte die frühere Guerillakämpferin. Sie habe immer für eine freie und gerechte Gesellschaft gekämpft - und drohe nun durch eine illegitime Regierung abgelöst zu werden. Temer würde bis Ende 2018 im Amt bleiben und könnte am Mittwoch als Präsident zum G20-Gipfel nach China reisen.
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