Rückkehr der RAF?
Nach Überfällen: Experten uneins über linken Terrorismus

In den vergangenen 23 Jahren sorgten immer wieder Raubüberfälle für Aufsehen, die in Verbindung mit früheren RAF-Mitgliedern stehen könnten - hier eine nachgestellte Szene aus der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Experten sind sich uneins, ob die Ex-Terroristen nur Geld brauchten, oder ob tatsächlich eine Rückkehr der Rote Armee Fraktion bevorsteht. Grafik: dpa

Die Terrorgefahr in Deutschland macht jetzt schon vielen Angst. Nach den Attentaten von Paris und Istanbul könnte der islamistische IS auch hier zuschlagen. Und jetzt auch noch die RAF. Ist der Linksterrorismus wirklich eine Gefahr?

Berlin. Es ist wie ein Gespenst aus düsterer Vergangenheit: Fast zwei Jahrzehnte nach der Auflösung der linksterroristischen Roten Armee Fraktion gibt es wieder bedrohliche Nachrichten. Es geht um Überfälle des mutmaßlichen RAF-Trios Daniela Klatte (57), Ernst- Volker Staub (61) und Burkhard Garweg (47) auf Geldtransporter bei Bremen und in Wolfsburg in den letzten Monaten. Muss das als Hinweis auf neue terroristische Aktivitäten gelesen werden? Oder sind da nur drei Kriminelle nach vielen Jahren im Untergrund in Geldnot geraten?

Alte Ängste werden wach


Schnell werden alte Ängste wach. Mehr als 30 Menschen starben zwischen 1972 und 1993 bei Anschlägen der RAF. 1998 gab die Gruppierung ihre Auflösung bekannt. 18 Jahre später werden DNA-Spuren von drei Schlüsselfiguren der "dritten Generation" der RAF bei den zwei Überfällen in Norddeutschland gefunden. Die Staatsanwaltschaft ist sich relativ sicher, dass es keine Hinweise auf einen "terroristischen Hintergrund der Tat" gibt. Die Täter sollen jedoch nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft 1993 als Kommando "Katharina Hammerschmidt" einen Sprengstoffanschlag auf die im Bau befindliche Justizvollzugsanstalt im hessischen Weiterstadt verübt haben. Gesamtschaden: 123 Millionen D-Mark. 1999 soll das Trio dann einen Geldtransport in Duisburg-Rheinhausen überfallen haben. Die Beute: rund eine Million D-Mark.

Mehr oder weniger ernstzunehmende Hinweise auf eine Wiederkehr des Linksterrorismus in Deutschland hat es immer wieder gegeben. Schon 2001 gab es Berichte, wonach RAF-Aktivisten die Logistik der alten Roten Armee Fraktion nutzten, vor allem unentdeckte Waffendepots. Zu der neuen Gruppe, so berichtete damals der "Spiegel", gehörten auch Daniela Klette und Ernst Volker Staub, also zwei der drei 14 Jahre später wieder aufgetauchten RAF-Veteranen. Schon damals war von einer "Vierten Generation der RAF" die Rede. Aber die Befürchtungen einer neuen Welle des Linksterrorismus bestätigten sich nicht.

Terror-Version "4.0"


Im November 2015 berichtete dann die "Ostthüringer Zeitung" von einer anonymen Gruppe namens "RAF 4.0", die insgesamt 40 Morde an zehn Richtern, zehn Staatsanwälten, zehn Polizisten und zehn Politikern angekündigt habe. Als Motiv wurde das Staatsversagen bei den Ermittlungen gegen die rechte NSU-Terrorzelle genannt. Schon hieß es in diversen Medien: "Die RAF ist wieder da." Immerhin wäre in der Reaktion auf den NSU-Terror und die Ermittlungsfehler ein plausibles Motiv erkennbar.

Fachleute sind sich in der Bewertung der jüngsten Nachrichten uneins. Des Terrorexperte Butz Peters hält Sorgen vor einer neuen Welle der politischen Gewalt von links für unbegründet. "Also, dass jetzt eine vierte Generation losmarschieren will, glaube ich nicht", sagte Peters der dpa. Das sieht der Sicherheitsexperte Wolfgang Petri anders. "Es geht nicht nur um die reine Geldversorgung. Die alte Idee lebt fort."
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