Rücktritt nach wütenden Protesten
Islands Premier stolpert über Panama Papers

Panama-Stadt/Berlin. Die Enthüllungen in den "Panama Papers" über Abertausende Briefkastenfirmen haben erste einschneidende Folgen: Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson tritt zurück. Seine Fortschrittspartei schlug am Dienstag den Vizeparteichef Sigurður Ingi Jóhannsson als neuen Ministerpräsidenten vor. Tausende wütende Bürger protestierten gegen Gunnlaugsson. Die brisanten Unterlagen sollen Informationen über eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln enthalten, die Gunnlaugssons Frau gehört. Der Isländer wurde demnach 2007 gemeinsam mit seiner späteren Frau Anteilseigner der Firma namens Wintris, in die Millionen geflossen sein sollen. Ende 2009 soll er seine 50 Prozent Anteile an der Firma für einen Dollar an seine Partnerin verkauft haben. Der Politiker wies die Vorwürfe zurück. Ermittelt wird gegen ihn bislang nicht.

Auch deutschen Banken drohen nach den Enthüllungen rechtliche Schritte wegen Geschäften mit den Briefkastenfirmen. "Niemand wird sich dem nationalen Recht und auch den deutschen Fahndungsbehörden dauerhaft entziehen können", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). "Wer sich da etwas zuschulden hat kommen lassen, der wird sich vor einem deutschen Gericht verantworten müssen." Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin stellte einzelnen Banken Fragen zu ihren Offshore-Geschäften.

Die umstrittene Kanzlei Mossack Fonseca bestritt illegale Geschäfte. "Wir haben keine Angst - wir haben nichts Schlechtes getan", sagte Mitgründer Rámon Fonseca Mora der "Financial Times" und sprach von einer "Hexenjagd". "Ich garantiere, dass es mehr schmutziges Geld in New York und London und Miami als in Panama gibt."

Briefkastenfirmen dienen nach Ansicht der Deutschen Steuergewerkschaft fast immer dem Betrug. "Es gibt aus meiner Sicht keinen vernünftigen wirtschaftlichen Grund, mit einer Briefkastenfirma in eine Steueroase zu gehen, es sei denn, man möchte insbesondere den Fiskus täuschen und Steuern hinterziehen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Thomas Eigenthaler. "Zu 99,9 Prozent dient ein solches Konstrukt der Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und der Betrügerei."
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