Ruprecht Polenz' hintergründige Gedankenspiele
"CDU auf Immobilien-Suche in München"

Ruprecht Polenz: Wie keine anderer CDU-Mann kämpft er für Angela Merkels Flüchtlingspolitik, gegen die AfD - und mitunter gegen die CSU. Bild: dpa

Münster. "CDU-Bundesgeschäftsstelle sucht Büro-Immobilie in München. Vorzugsweise in der Nähe des Bayerischen Landtags." Mit diesem vermutlich nicht ganz ernst gemeinten Post auf Facebook löste Ruprecht Polenz am Sonntagabend eine angeregte Diskussion in den sozialen Medien aus. Polenz, Ex-Bundestagsabgeordneter aus Münster, früherer CDU-Generalsekretär und langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, ist einer der eifrigsten Verfechter der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel, kämpft massiv gegen die AfD und geht dabei auch mit der CSU immer wieder hart ins Gericht. Von AfD-Sympathisanten wird er gern als "Facebook-Sprecher von Merkelland" tituliert.

Vorbereitet hatte Polenz den Coup kurz vorher, ebenfalls via Facebook. "Der CSU-Führung um Seehofer, Söder und Scheuer geht es nicht mehr um die Regierung in Berlin, der die CSU angehört, sondern ausschließlich um die absolute Mehrheit der CSU in Bayern. Es nützt deshalb gar nichts, an ihre Solidarität zu appellieren. Die CDU sollte ernsthafte Vorbereitungen ankündigen, einen CDU-Landesverband in Bayern zu gründen. Der CSU wäre sofort klar, dass in diesem Fall ihre absoluten Mehrheiten ein für allemal vorbei wären. Dass eine CSU bundesweit auch einigen Erfolg haben könnte, würde über den Verlust Bayerns nicht hinwegtrösten. Deshalb dürfte eine glaubwürdige Ankündigung ausreichen, um die CSU zur Vernunft zu bringen", so Polenz.

Prompt erntete Polenz Beifall und massive Kritik. "Dieses seltsame politische Gebietskartell mit der Aufteilung in Bayern und den Rest der Republik ist reif für die Geschichtsbücher", so eine der Reaktionen. "Die CSU in ganz Deutschland: Das wäre die Alternative für Deutschland" und "Au ja, Söder im Ruhrgebiet", schrieben andere. Wieder andere äußerten Zweifel an den Erfolgsaussichten: "Herr Ruprecht Polenz, mal ganz ehrlich, würde die CDU in München über fünf Prozent kommen? Geschweige denn in Bayern?" Polenz dagegen bezifferte das CDU-Potenzial im Freistaat auf 15 bis 20 Prozent.

In die Debatte schaltete sich auch der frühere CSU-Generalsekretär Thomas Goppel ein: Er bezeichnete Polenz als "Spalter", der über Wochen unfreundliche Signale an die Verantwortlichen im Freistaat gesandt und nicht die Einigkeit im Auge habe. Polenz konterte: "Wann wacht die Basis der CSU endlich auf? Wahrscheinlich sind Alois Glück und Hans Maier verzweifelt. Und ich glaube, Dich gut genug zu kennen, um zu wissen, dass Dir diese Richtung der CSU auch nicht gefällt."
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