Russlands leise Freude über das Referendum
Der Feind in Brüssel

Moskau. Einen Krimsekt auf den Brexit! In Russland wird das Ergebnis der britischen Volksabstimmung von vielen bejubelt. Doch die Folgen sind für das Riesenland nicht absehbar. Es kann sein, dass mancher Verantwortliche verzweifelt einen Wodka kippt.

Mit der Europäischen Union kann Russland traditionell wenig anfangen, Brüssel gilt als Feind. "Das ländliche, provinzielle, arbeitende Großbritannien hat Nein gesagt zu der Union, die von der Finanzmafia, Globalisten und anderen geschaffen wurde", freute sich Parlamentsvize Wladimir Schirinowski, Chef der nationalistischen Liberaldemokraten.

Politisch sympathisiert Russland zwar mit den EU-Gegnern, doch in der Realpolitik agiert es vorsichtig. Präsident Wladimir Putin mag keine Unruhe, keine abrupten Entwicklungen, die der Kreml nicht steuern kann. "Moskau ist daran interessiert, dass die Europäische Union eine blühende, stabile und berechenbare Wirtschaftsmacht bleibt", sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. Putin hat aber anders als Kanzlerin Angela Merkel oder US-Präsident Barack Obama vorher nicht klar gegen den Brexit Stellung bezogen.

Für Russland zählt, wie es mit seinen Öl- und Gasexporten weitergeht. Der Brexit werde den Ölpreis noch stärker schwanken lassen, erwartet Vize-Energieminister Alexej Teksler. Außerdem ist Großbritannien ein wichtiger Zielmarkt für die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Der Bau der Gasleitung zwischen Russland und Deutschland ist in der EU umstritten. Von einem "unangenehmen Ereignis" spricht Finanzminister Anton Siluanow. Dem Rubel täten Turbulenzen in der Weltwirtschaft nicht gut. Insgesamt hält Siluanow aber die Folgen des Brexit für Russlands Wirtschaft für überschaubar.
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