Russlands Teilabzug aus Syrien
Mit dem Gefühl des Sieges

Russland zieht die Mehrzahl seiner Truppen aus Syrien ab. Die Ergebnisse des Militäreinsatzes bewerten Experten unterschiedlich. Bild: dpa

Mit seinem Befehl für einen Teilabzug aus Syrien überrascht Putin die internationale Gemeinschaft. Rückt nun doch eine politische Lösung näher?

Moskau. Am Tag nach dem überraschenden Abzugsbefehl von Präsident Wladimir Putin bringt die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" das Gefühl der meisten Russen auf den Punkt. "Nach Hause!" titelt das Blatt auf der Titelseite, und auf einem Foto reckt ein Bomberpilot den linken Daumen in die Höhe. Nach Hause aus Syrien, als Sieger - und nicht wie 1989, als die Sowjetarmee glanzlos aus Afghanistan abzog.

Nach Hause nach Russland, am fünften Jahrestag des Kriegsausbruchs in Syrien, das heißt für viele auch: Hoffnung auf eine politische Lösung des Konflikts und auf ein Ende des Flüchtlingsstroms. Wiederholt wurde Moskau vorgeworfen, mit seinen Bomben im Bürgerkriegsland Menschen in die Flucht zu treiben.

Auf Russlands erste Militäraktion außerhalb der ehemaligen Sowjetunion seit Ende des Kalten Krieges habe die Bevölkerung skeptisch geschaut, meint der Armee-Experte Pawel Felgenhauer. Die Furcht vor einem Anschlag wie in der Moskauer Metro sei immer spürbar gewesen. Der Teilabzug sei eine Erleichterung.

Einsatz "ein Meilenstein"


Doch ist Putins Befehl wirklich ein Lichtblick in dem Krieg mit mindestens 250 000 Toten - oder nur ein Trick? Immer wieder zeigte der Präsident, wie wichtig er den Konflikt nimmt. Ausdrücklich grüßte er die "willensstarken" Soldaten in Syrien in seiner Neujahrsansprache. Der Einsatz in dem Bürgerkriegsland sei für Putin "ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Russland", sagt Vizeregierungschef Dmitri Rogosin.

Mit seinem Befehl für einen Teilabzug überrascht Putin erneut - wie seinerzeit mit dem Befehl zum Angriff. Russlands Oberbefehlshaber lässt die Bombe beim Kriegsrat mit Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu im Kreml platzen. Monoton verliest Schoigu die Ergebnisse. Demnach flogen die Kampfjets seit Ende September rund 9000 Angriffe, und Terrorgruppen wie der Islamische Staat (IS) seien geschwächt worden.

Auf den Vorwurf des Westens und der syrischen Opposition, Moskau treffe mit den Attacken auch zivile Ziele wie etwa Krankenhäuser, geht Schoigu nicht ein. Auch Lawrow spricht nur von Erfolgen. Billig sind die nicht: Moskauer Zeitungen zufolge kostet jeder Kriegstag den Kreml etwa drei Millionen Euro. Für sein Engagement war Russland vom Westen scharf kritisiert worden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), bezeichnete das Vorgehen etwa als "Ausdruck eines brutalen Zynismus der Moskauer Politik".

Assad gestützt


"Der Westen sollte anerkennen, dass Putin seine Ziele in Syrien erreicht hat", sagt aber der Moskauer Politologe Sergej Alexaschenko. Es gehe dem Kremlchef vor allem darum, Präsident Baschar al-Assad an der Macht zu halten. Mit der Intervention habe Putin seinem Verbündeten zu militärischer Stärke verholfen und einen gewaltsamen Sturz unwahrscheinlicher gemacht, meint Alexaschenko. Vor allem sei Russland international wieder ein wichtiger Partner, trotz etwa des Ukraine-Konflikts.
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