Sacharow-Preis für Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar
EU-Parlament ehrt Jesidinnen

Die Sacharow-Preisträger 2016: Nadia Murad (links) und Lamija Adschi Baschar kämpfen für ihre Glaubensschwestern. Bilder: dpa, EU

Straßburg. (dpa) Die irakischen Jesidinnen Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar werden vom EU-Parlament mit dem renommierten Sacharow-Preis ausgezeichnet. Parlamentspräsident Martin Schulz gab die Entscheidung am Donnerstag während der Plenarsitzung in Straßburg bekannt. "Das ist eine sehr symbolische Entscheidung", sagte er anschließend.

Die beiden Frauen wurden von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak versklavt. Murad und Baschar gelang die Flucht nach Deutschland. Sie versuchen jetzt, Verbündete im Kampf gegen die Versklavung ihrer Glaubensschwestern durch den IS zu gewinnen. Die extremistischen Sunniten hassen die Jesiden. Sie beschimpfen die Religionsgemeinschaft, die eine Ursprungsreligion der Kurden ist, als "Teufelsanbeter". Weltweit gibt es rund eine Million Jesiden. Derzeit sollen noch 3200 Frauen und Kinder in den Fängen des IS sein.

"Die beiden Frauen sind die Stimme der zahllosen Opfer des Menschenhandels, eine Stimme, die ein Ende solcher Gräueltaten fordert", sagte Schulz. In diesem Kampf wolle das Parlament die Menschenrechtsaktivistinnen unterstützen. Die Bundesregierung gratulierte den Preisträgerinnen "für ihren starken Einsatz für das jesidische Volk!" Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Zwei besonders mutige Kämpferinnen gegen den brutalen Terror des IS." Die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, nannte die Entscheidung "weitsichtig". Die Diskriminierung und Verfolgung wegen religiöser Zugehörigkeit sei zu ächten.

Mit dem Preis, der nach dem sowjetischen Physiker und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989) benannt ist, ehrt das Europaparlament seit 1988 Menschen oder Organisationen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den saudischen Blogger Raif Badawi. Verliehen wird der Preis, der mit 50 000 Euro verbunden ist, am 14. Dezember.
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