Schäuble eckt mit Vorstoß in der Koalition an
Krach um höheres Rentenalter

Politiker und Wirtschaftseliten können leicht über die Rente mit 70 reden.

Wolfgang Schäuble regt einen späteren Renteneintritt an, die Junge Union fordert die Rente ab 70. Die SPD, Gewerkschaften und Sozialverbände stemmen sich gegen solche Vorstöße.

Berlin. Mit der Forderung nach einem späteren Renteneintritt ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf energische Ablehnung der SPD gestoßen. Unterstützung bekam Schäuble vom Wirtschaftsflügel der Union und dem deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger. Die Junge Union (JU) forderte die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre ab 2030.

Schäuble sagte am Mittwochabend, er glaube, es sei relativ sinnvoll, in der Rente die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang zu bringen. Eine älter werdende Wohlstandsgesellschaft habe zwar keine Neigung zu Änderungen. Aber dennoch seien diese nötig. Die Altersgrenze solle flexibler werden. Das Rentensystem könne trotz der Niedrigzinsen gehalten werden, wenn das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge erhalten bleibe. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Schäubles Forderung zynisch. Sie zeige, "was droht, wenn die SPD nicht in der Regierung ist". "Politiker und Wirtschaftseliten können leicht über die Rente mit 70 reden. Ihre Arbeit ist körperlich weit weniger anstrengend als bei normalen Arbeitnehmern", so Gabriel auf Facebook. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lehnt einen späteren Rentenbeginn ab. "Das ist kein abgestimmter Vorschlag der Bundesregierung", sagte eine Sprecherin ihres Ministeriums. "Das steht nicht zur Debatte." SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte nach einer Klausur der Fraktionsspitzen in Rust: "Ich halte nichts von einer gesetzlichen Verschiebung der Altersgrenze."

Der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak forderte hingegen eine Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung. "Der Jahrgang 1985, dem ich angehöre, müsste bis zum Alter von 67,5 Jahren erwerbstätig bleiben. Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren würden wir erst im Jahr 2100 erreichen", sagte er der "Rheinischen Post". EU-Kommissar Oettinger forderte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir haben einen Fachkräftemangel und müssen in den nächsten Jahren über die Rente mit 70 sprechen."

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warf Schäuble vor, die Rentenleistungen weiter verschlechtern zu wollen. "Jede Anhebung der Regelaltersgrenze ist de facto eine verdeckte Rentenkürzung." Auch Sozialverbände wie die Volkssolidarität und der VdK lehnten den Schäuble-Vorstoß rundheraus ab. (Seite 2)
Politiker und Wirtschaftseliten können leicht über die Rente mit 70 reden.SPD-Chef Sigmar Gabriel
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