Schäuble erinnert Gabriel an Absprachen

Für den Vorstoß, dass Athen bei einem Scheitern von Verhandlungen im schlimmsten Fall für mindestens fünf Jahre die Euro-Zone verlassen müsste, hat Finanzminister Wolfgang Schäuble viel Prügel einstecken müssen. Jetzt hat der 72-jährige CDU-Politiker - mit dem ihm eigenen Sarkasmus - Vizekanzler Sigmar Gabriel bei dem umstrittenen Euro-"Timeout" für Griechenland wieder mit ins Boot geholt.

Bei einer Pressekonferenz in Brüssel erinnerte Schäuble am Dienstag Gabriel, ohne diesen beim Namen zu nennen, an das, was vergangenen Donnerstag im engsten Kreis für den Euro-Sondergipfel beredet worden war: "Ich will Ihnen nur ganz liebenswürdig sagen: Ich habe keinen Vorschlag gemacht, der nicht innerhalb der Bundesregierung - und zwar in der Sache und in der Formulierung - abgesprochen war." SPD-Chef Gabriel hatte Samstagnacht zunächst bei Facebook erklärt, seiner Partei sei Schäubles Vorschlag "natürlich bekannt" gewesen. Später ruderte Gabriel zurück ("Ich kenne kein Papier, ich kenne seine Idee"), nachdem in der SPD Abgeordnete, die davon nichts wussten, angesichts der schwarz-roten "Grexit"-Drohkulisse auf die Barrikaden gegangen waren.

Er wolle das nicht weiter vertiefen, meinte Schäuble jetzt, um dann nachzuschieben: "Aber ich rate jedem, sich darüber im Klaren zu sein, dass ich schon weiß, was die Regeln sind, wie eine Regierung vernünftig funktioniert und wie ein Minister einer Regierung seine Verantwortung wahrnimmt. Und wir haben uns alle diese Entscheidungen nicht leicht, sondern schwer gemacht."

Die Mehrheit der Bürger in Deutschland ist nach der jüngsten Einigung in der Griechenland-Krise mit dem Kurs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zufrieden. 55 Prozent sind nach einer Forsa-Umfrage für den "Stern" der Auffassung, Merkel habe sich alles in allem richtig verhalten. 31 Prozent meinen dagegen, sie hätte Griechenland zum Ausstieg aus dem Euro zwingen sollen, 14 Prozent haben dazu keine Meinung.

Laut Forsa sind vor allem die Anhänger der Grünen mit der Kanzlerin zufrieden: 75 Prozent von ihnen bescheinigen Merkel, richtig verhandelt zu haben. Bei den Sympathisanten der Union sind dies 66 Prozent, bei jenen des Koalitionspartners SPD 62 Prozent. Auch 53 Prozent der Linken-Sympathisanten schließen sich dieser Meinung an. (dpa)
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