Schäuble lobt seinen Kollegen Varoufakis

In der Sache streiten beide hart, doch der Ton ist versöhnlich: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betont, dass sich der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis ihm gegenüber völlig korrekt verhalten habe. Archivild: dpa

Für Finanzminister Schäuble ist Regieren "ein Rendezvous mit der Realität". Dies gelte auch für die neue Führung in Athen. Er plädiert für Strenge und Vertrauen gleichermaßen gegenüber Griechenland.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Griechenland harte Auflagen machen, falls ein drittes Hilfspaket nötig wird. "Ob Griechenland weitere Hilfen braucht, wird man sehen, wenn das zweite Programm beendet ist. Egal was kommt, wir werden sehr strenge Maßstäbe anlegen", sagte er der "Bild am Sonntag". Klar sei, dass Athen die Auflagen der Euro-Gruppe erfüllen müsse: "Herr Tsipras ist im Wort", betonte der CDU-Politiker mit Blick auf den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras. "Wenn Griechenland sich daran nicht hält, wird es keine weiteren Hilfen geben." Tsipras hatte kurz nach der Zustimmung des Bundestages zu einer Verlängerung der Griechenlandhilfe am Freitag abermals einen Schuldenschnitt ins Gespräch gebracht.

Im Interview des griechischen Fernsehsenders Skai sagte Varoufakis am Wochenende, er wolle mit der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einmal verhandeln, wie man mit der Rückzahlung auslaufender Anleihen umgehen werde. Dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe) sagte er: "Wir wollen nicht mehr Geld." Griechenland brauche vielmehr einen Wachstumspakt, der sich auf Investitionen des Privatsektors gründet. "Dann kann unsere Wirtschaft wieder wachsen, und wir müssen nicht um immer neue Kredite der europäischen Steuerzahler bitten."

Schäuble plädierte dafür, der Führung in Athen einen Vertrauensvorschuss zu geben. "Man muss einer neu gewählten Regierung auch erst mal etwas Zeit geben. Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität." Lobend äußerte sich Schäuble über Varoufakis: "Er hat sich mir gegenüber völlig korrekt verhalten."

In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte Schäuble: "Es interessiert mich nur begrenzt, was die Griechen in Interviews sagen. Mich interessiert, worauf sie sich verpflichtet haben ... Und wenn sie es nicht einhalten, tragen sie die Konsequenzen."
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