Schicht im Schacht
Kohle-Zeche Auguste Victoria in Marl schließt

Ein Bergmann brachte am Freitag das letzte Stück Kohle aus der Zeche "Auguste Victoria" in Marl (Nordrhein-Westfalen) nach oben. Bild: dpa

Einst befeuerte Kohle die Industrielle Revolution in England. Jetzt macht die letzte Zeche in Großbritannien zu. Auch in Deutschland soll es bald soweit sein.

Marl/York. Eine industrielle Ära neigt sich dem Ende zu: Nach rund 115 Jahren hat die vorletzte Zeche des Ruhrgebiets, Auguste Victoria, in Marl, am Freitag die Förderung eingestellt. Zur offiziellen Verabschiedung kamen unter anderen die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Chef der Gewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis. Kraft versprach der Region Unterstützung für den Strukturwandel. Vassiliadis lobte die erfolgreiche Arbeit der Beschäftigten bis zum letzten Tag der Förderung. "Dies ist ein bitterer Tag. Wir schließen nicht, weil wir schlecht gearbeitet haben", sagte der Gesamtbetriebsratschef des Zechenbetreibers RAG, Norbert Maus. Später blieb ihm vor Rührung die Stimme weg.

In dem Marler Bergwerk hatten in Spitzenzeiten 11 000 Menschen gearbeitet. Derzeit seien noch etwa 1000 Beschäftigte auf der Zeche, sagte der Arbeitsdirektor des Bergwerksbetreibers RAG, Peter Schrimpf. Etwa die Hälfte wechsele zur Zeche Prosper Haniel nach Bottrop, die andere Hälfte gehe in den Vorruhestand. Die Zechenschließung ist Teil des Ausstiegs aus der hoch subventionierten deutschen Steinkohle bis Ende 2018. Bundesweit gibt es danach nur noch zwei Zechen: Prosper-Haniel in Bottrop und die Zeche in Ibbenbüren am Rand des Münsterlandes.

Aus für Kellingley


Ebenfalls am Freitag hat das letzte Kohlebergwerk Großbritanniens, die Zeche Kellingley im Norden Englands, dicht gemacht. Rund 450 Bergleute arbeiteten bis zuletzt in der rund 30 Kilometer südlich von York gelegenen Grube. Das Aus für die Zeche markiert zugleich das Ende einer großen Zeit. Ohne Kohle und Koks wäre die Industrielle Revolution in England im 18. und 19. Jahrhundert undenkbar gewesen. Sie waren die Energieträger für die Fabriken und Dampfschiffe. "König Kohle hat am Ende seine Krone verloren", kommentierte die Zeitung "Guardian". Jetzt gebe es nur noch an einigen wenigen Orten Tageabbau.

In Großbritannien gab es laut BBC in den 1920er Jahren über eine Million Bergleute. Allerdings läutete die schrittweise Umstellung auf Erdöl sowie billige Importe bereits vor Jahrzehnten das langsame Ende der britischen Kohle ein. Einen weiteren "Todesstoß" fügte Premierministerin Margaret Thatcher der Branche Anfang der 80er Jahre zu, als sie einen fast einjährigen Bergarbeiter-Streik gegen Zechenschließungen und Privatisierungen niederkämpfte.

Noch einige Kraftwerke


Kohlekraftwerke soll es allerdings noch einige Zeit geben. Die Regierung kündigte kürzlich an, dass sie die Kohlemeiler innerhalb von zehn Jahren schließen wolle. Nach Angaben der Regierung gibt es derzeit zwölf Kohlekraftwerke im Land. Sie verfügen nicht über die modernste Technik, bei der Kohlendioxid im Kraftwerk gebunden wird, um es unterirdisch einlagern zu können.
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