Schlüssel-Dienst

Verschlüsselung im Internet ist Geheimdiensten ein Dorn im Auge. Angeblich will der Bundesnachrichtendienst die Schutztechniken verstärkt angreifen. Deutsche Behörden arbeiteten zudem mit einer Firma zusammen, die Schwachstellen in Software sucht.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) will laut Medienberichten verstärkt die Verschlüsselung im Internet aushebeln und dafür auch Informationen über bisher unbekannte Sicherheitslücken einkaufen. Die Bundesregierung bestätigte am Montag die Zusammenarbeit des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik mit der französischen Firma Vupen, die auf den Verkauf von Software-Sicherheitslücken an Regierungen spezialisiert ist. Ansonsten verwies die Regierung auf das schon bekannte BND-Programm zur technischen Aufrüstung, bei dem auch ein Frühwarnsystem für Cyber-Angriffe aufgebaut werden soll.

Den Berichten zufolge will der BND künftig unter anderem Verbindungen überwachen, die mit der Verschlüsselungstechnik SSL geschützt sind. Der BND will nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung" ("SZ"), NDR und WDR 4,5 Millionen Euro ausgeben, um mit Hilfe externer Spezialisten SSL-Verbindungen zu entschlüsseln. Banken, Online-Netzwerke oder Shopping-Seiten verwenden SSL, um Kundendaten und Login-Informationen zu schützen.

Insbesondere seit das Ausmaß der Internet-Überwachung durch den US-Abhördienst NSA bekannt wurde, schützen Unternehmen ihre Verbindungen verstärkt mit Verschlüsselung. Die NSA soll zwar auch seit Jahren daran arbeiten, Mechanismen wie SSL auszuhebeln, moderne Verschlüsselungsverfahren sind aber immer noch ein Hindernis.

Kooperation beendet

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Vupen seien vor allem für den Schutz der Regierungsnetze und nicht zur Weitergabe an Dritte erworben worden. Das BSI habe die Kooperation inzwischen beendet. Laut "SZ", NDR und WDR wurden für die "Strategische Initiative Technik" (SIT) des BND für das kommende Jahr 28 Millionen Euro beantragt. Bis zum Jahr 2020 gehe es um insgesamt 300 Millionen Euro.
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