Schock nach dem Anschlag in Istanbul
Tränen unterm Tower

Der Schock sitzt nach dem Anschlag auf den Flughafen tief. Bild: dpa

Die Decke aufgerissen, in den Wänden Einschusslöcher: Die Spuren des Anschlags auf den Istanbuler Flughafen waren am Mittwoch unübersehbar. Die Behörden wollen trotzdem schnell zurück zur Normalität. So ganz funktioniert das jedoch nicht.

Istanbul. Es klafft ein Loch in der Decke der Flughafenhalle, wo normalerweise Angehörige auf ihre Liebsten warten. Stellwände schirmen die Schäden nur dürftig ab, die der verheerende Terroranschlag im Istanbuler Airport verursacht hat.

Der Schock sitzt tief nach dem vierten schweren Anschlag seit Jahresbeginn in der Millionenstadt. Die Bilanz: Dutzende Tote und mehr als 200 Verletzte. Mindestens drei Selbstmordattentäter sprengten sich an verschiedenen Stellen in die Luft.

Die Ermittler vermuten, dass die sunnitische Extremistenorganisation Islamischer Staat dahinter steckt. Obwohl die Ermittlungen noch laufen, bemühen sich die Behörden, schnell zum Normalbetrieb zurückzukehren: Noch in der Nacht wurde der Flughafen-Betrieb wieder aufgenommen. Arbeiter hämmern an der Decke, Reinigungskräfte kehren Scheibensplitter zusammen und putzen den Boden.

Auch am Eingang ist die Decke beschädigt und verrußt. Die Scheiben hinter einem Mobilfunkstand sind zersplittert. Eine Verkäuferin schüttelt den Kopf auf die Frage, ob sie zur Tatzeit am Dienstagabend gearbeitet habe. "Einer unserer Mitarbeiter ist verletzt. Es ist so schrecklich", sagte sie mit Tränen in den Augen.

Ankommende Reisende müssen am Morgen am Explosionsort vorbeigehen - und an Einschusslöchern an der Wand. Öffnet sich die Tür, sieht man auch abgerissene Deckenteile im Duty-Free-Bereich - so heftig war die Detonation. Dass trotz der Aufräumarbeiten noch lange nicht alles normal ist, bezeugen die blinkenden Anzeigentafeln, die über Verspätungen und Flugausfälle informieren. Noch in der Nacht fuhren Busse Touristen in Hotels.

Der 77-jährige Haydar und seine Frau Sewin stammen aus der Türkei und kommen regelmäßig nach Istanbul. Aber inzwischen machen sie sich immer mehr Sorgen. "Zurzeit ist ja das ganze Land in Unruhe. Es passiert immer wieder etwas in Istanbul oder in Ankara. Das ist furchtbar."

Atatürk-FlughafenDer Istanbuler Atatürk-Flughafen (IST) ist der größte Airport der Türkei und einer der größten Europas. Der nach seiner Eröffnung 1912 Yesilköy genannte Flughafen wurde später nach dem türkischen Republiksgründer Mustaf Kemal Atatürk (1881-1938) benannt.

Im Jahr 2015 wurden dort in drei Terminals - Inland, International und Fracht - bei mehr als 447 000 Flugbewegungen gut 61 Millionen Passagiere abgefertigt und rund 1,4 Millionen Tonnen Luftfracht befördert. Seit 2010 mit damals rund 32 Millionen Fluggästen haben sich die Passagierzahlen nahezu verdoppelt.

Der Atatürk-Airport liegt auf der europäischen Seite Istanbuls. Im asiatischen Teil der Millionenmetropole gibt es zudem den kleineren Flughafen Sabiha Gökcen. Ende 2017 soll etwa 60 Kilometer nordwestlich von Istanbul ein neues Mega-Luftdrehkreuz eröffnet werden. Von ihm sollen jährlich bis zu 150 Millionen Passagiere starten und landen können.

Einlasskontrollen sind wie an jedem türkischen Flughafen Standard. Schon beim Eintritt ins Gebäude wird das Gepäck geröntgt, also Handgepäck und aufzugebende Koffer. (dpa)
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