Schockstarre auch in Frankreich nach erneutem islamistischen Anschlag
Die Angst kehrt zurück

Französische Polizeibeamte nehmen in Saint-Priest eine Frau fest, die mit der Bluttat in Verbindung stehen könnte.
Der Terroranschlag auf ein Werk für Industriegase in einem kleinen Ort bei Lyon führt den Menschen in Frankreich brutal vor Augen, wie wenig die islamistische Bedrohung im eigenen Land kalkulierbar ist. Keine sechs Monate nach "Charlie Hebdo" ist der Horror zurück.

Das Werk in Saint-Quentin Fallavier war nicht durch besondere Maßnahmen geschützt. Doch hinter den Zäunen des Geländes verbirgt sich hochsensibles Material. Der Hersteller Air Products ist durch EU-Regelungen für Unfälle mit gefährlichen Stoffen erfasst.

Warnstufe in Paris

Fabrikation mit gefährlichen Produkten gibt es viele in Frankreich, gerade auch in der Provinz, jenseits großer Städte. Nach dem Anschlag vom Freitag ordnete die Regierung für die Region erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an.

Die beispiellose Terrorserie vom Januar ist den Menschen in Frankreich bis heute präsent. Im Großraum Paris herrscht noch immer oberste Terrorwarnstufe. Schwerbewaffnete Einheiten von Polizei, Gendarmerie oder Militär bis hin zur Fremdenlegion patrouillieren neben Touristen. Beim Anschlag auf das religionskritische Satiremagazin "Charlie Hebdo" starben in Paris zwölf Menschen, in den Tagen darauf wurde eine Polizistin erschossen, vier Menschen starben bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt. Die drei für die Attacken verantwortlichen Islamisten wurden bei Befreiungsaktionen erschossen.

Im April vereitelte die Polizei einen Terrorangriff auf eine Kirche. Der mutmaßliche Täter soll Kontakte nach Syrien gehabt haben. Kurz zuvor hatten bis heute Unbekannte bei einem Cyber-Angriff auf den französischen Sender TV5 Monde IT-Systeme gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Auf Webseiten und Social-Media-Konten des Senders wurde Propaganda der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) platziert.

Täter bereits bekannt

Viele Franzosen sind verunsichert, weil die Terroristen teils lange vor den Attacken bereits vom Netz der Fahnder erfasst waren. Die Mörder von "Charlie Hebdo" waren den Ermittlern ebenso bekannt wie der Islamist im Supermarkt. Der verhinderte Kirchen-Attentäter stand ebenfalls in einschlägigen Akten. Der nach dem jüngsten Anschlag von Freitag festgenommene Mann ist den Terrorfahndern auch nicht unbekannt. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve berichtete von Verbindungen zur salafistischen Bewegung. Eine 2006 angelegte Akte wurde dann aber 2008 nicht fortgeschrieben. Gegen den Mann lag nichts vor.

Wegen seines internationalen Kampfs gegen den Terror ist Frankreich seit Jahren im Fadenkreuz von Islamisten. In Mali kämpfen französische Truppen seit mehr als zwei Jahren gegen terroristische Rebellen im Norden des Landes. Auch in anderen afrikanischen Staaten sind französische Militärs deswegen im Einsatz. Im Norden Iraks fliegen französische Kampfjets an der Seite von US-Verbänden und anderen Verbündeten Einsätze gegen IS-Milizen und deren Stellungen.
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