Schreddern von Küken
Männliche Hühnchen dürfen auch weiterhin getötet werden

Die Aufzucht männlicher Küken ist für Firmen zu aufwendig, daher dürfen sie getötet werden. Bild: dpa

Münster. Das Töten männlicher Küken direkt nach dem Schlüpfen verstößt nicht gegen das Tierschutzgesetz. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster am Freitag entschieden und damit mehrere Urteile von Verwaltungsgerichten in Nordrhein-Westfalen gegen einen Erlass der rot-grünen Landesregierung bestätigt. Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege, hieß es in der Urteilsbegründung.

Die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken sei für die Brütereien mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden und keine Alternative. Revision ließ das OVG nicht zu. Gegen diese Entscheidung kann Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt werden.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht. "Das ist eine herbe Niederlage für den Tierschutz in Deutschland. Klar ist: Die heutige Entscheidung hatte nur rein formaljuristische Gründe und ist damit keineswegs Freibrief für die Praktiken der Geflügelwirtschaft, sagte Remmel laut Pressemitteilung. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will nach eigener Aussage "alles dafür tun, das Küken-Schreddern mit einer praxistauglichen Alternative 2017 zu beenden". Zu der Entscheidung aus Münster erklärte er: "Mit grüner Schaufensterpolitik erreicht man weder etwas für das Tierwohl, die Küken, noch für unseren Wirtschaftsstandort Deutschland." Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte das Urteil: "Der Tierschutz unterliegt wirtschaftlichen Interessen. Das ist angesichts eines Staatsziels Tierschutz nicht hinnehmbar", sagte der Präsident der Organisation, Thomas Schröder, laut Mitteilung.
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