Schreiben des Papstes
Kleine Schritte, keine große Revolution

Papst Franziskus überrascht in seiner Schrift mit unverkrampften Worten - auch zu den Themen Liebe und Sexualität. Bild: dpa

Keine strikten Regeln zu Streitthemen, mehr Gewissensfreiheit und ein Lob auf die Liebe: Das Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie öffnet neue Türen. Franziskus überrascht mit Selbstkritik und offenen Worten - auch über Sex.

Rom. Papst Franziskus eröffnet Katholiken bei den heiklen Streitthemen Ehe und Familie neue Spielräume, lässt die gesetzlichen Vorgaben aber in Kraft. In seinem mit Spannung erwarteten Schreiben "Amoris Laetitia - über die Liebe in der Familie" wirbt er für einen neuen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Wegen der zahllosen Unterschiede konkreter Situationen sei es klar, "dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte", heißt es in dem am Freitag in Rom veröffentlichten Dokument.

Erotik "Geschenk Gottes"


Im Zentrum des 188 Seiten langen Textes steht die Liebe mit all ihren Facetten. Dabei spricht der Papst auch Themen wie Leidenschaft und Erotik an, die bisher in der katholischen Kirche meist ein Tabu waren: "Wir dürfen also die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel ... verstehen ..., sondern müssen sie als Geschenk Gottes betrachten." Auch Selbstkritik übt er an mehr als einer Stelle, "heilsame Selbstkritik" nennt er das.

Der Einzelfall zählt


Aus Sicht der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ergeben sich weitreichende Konsequenzen: Seelsorger müssten nun "in jedem einzelnen Fall die besondere Lebenssituation" wiederverheirateter Geschiedener betrachten und könnten dann über eine Zulassung zur Kommunion entscheiden. Unterschrieben wurde die Erklärung vom DBK-Vorsitzenden Reinhard Marx aus München, vom Berliner Erzbischof Heiner Koch und vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Auf das zweite Streitthema - den Umgang mit Homosexuellen - geht der Papst hingegen so gut wie gar nicht ein. In einem kurzen Absatz erklärt er, jeder Mensch müsse "unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden". Eine Gleichstellung mit der Ehe zwischen Mann und Frau lehnt er ab.
Der Zölibat läuft Gefahr, eine bequeme Einsamkeit zu sein, welche die Freiheit gewährt, sich selbstbestimmt zu bewegen ... Hier glänzt das Zeugnis der Verheirateten.Papst Franziskus in seinem Schreiben "Amoris Laetitia" zur Ehelosigkeit von Priestern
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