Schüsse im Parlament

Sicherheitskräfte in der Nähe des Parlaments in Ottawa. Die Innenstadt war am Mittwoch im Ausnahmezustand. Bild: dpa

Dutzende Schüsse peitschen durch das kanadische Parlament. Auch am Kriegerdenkmal in Ottawa wird geschossen. Zwei Menschen sterben. Eine Frage blieb am Mittwoch offen: Stecken Islamisten dahinter?

Ein oder mehrere Täter haben im kanadischen Regierungsviertel in Ottawa einen Soldaten getötet und einen Wachmann im Parlament angeschossen. Im Parlamentsgebäude selbst fielen am Mittwoch Dutzende Schüsse. Ein Täter kam nach Angaben der Polizei um. Die Hintergründe der Anschläge blieben zunächst völlig unklar. Medienspekulationen, wonach Islamisten hinter den Verbrechen stehen könnten, bestätigten die Behörden zunächst nicht. Kanada beteiligt sich im Irak an den Luftangriffen des von den USA geführten Bündnisses auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Auch Berichte über einen angeblich flüchtigen Täter bestätigte die Polizei nicht. Stunden nach den Anschlägen wollte oder konnte die Polizei nicht sagen, wie viele Täter tatsächlich beteiligt waren. Selbst die Fragen nach der Staatsangehörigkeit des getöteten Täters und nach der Tatwaffe wurden nicht beantwortet. Mehrere Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Noch Stunden nach den Anschlagen war die Lage völlig undurchsichtig - die Bevölkerung wurde zur Wachsamkeit aufgerufen.

Aufruf zur Wachsamkeit

Der Soldat, dessen Name vorerst nicht bekanntgegeben wurde, starb nach Schüssen auf das Weltkriegsdenkmal in der Nähe des Parlaments. Berichte über eine weitere Schießerei in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum bewahrheiteten sich nicht. Erst am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei kanadische Soldaten mit dem Auto überfahren. Ein Soldat starb, der Täter wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen. Die Polizei rief am Mittwoch alle Kanadier zur Wachsamkeit auf. Die ersten Schüsse fielen laut Polizei um 9.52 Uhr Ortszeit (15.52 deutscher Zeit) am Denkmal. Der niedergeschossene Soldat kam schwer verwundet ins Krankenhaus, wo er drei Stunden später seinen Verletzungen erlag. Ein Krankenhaus bestätigte die Einlieferung von drei Patienten, von denen zwei in stabilem Zustand seien.

Medien zufolge beschrieben Zeugen einen Täter als langhaarigen Mann. Er habe nach den Schüssen auf den Soldaten mit seinem Gewehr zum Parlamentsgebäude gegangen. Das Fernsehen zeigte dramatische Bilder aus dem Parlamentsgebäude: Schwer bewaffnete Polizeibeamte liefen auf der Suche nach den Tätern geduckt über die Gänge, als Schüsse fielen. Premierminister Stephen Harper, der sich auch im Gebäude befand, wurde umgehend in Sicherheit gebracht. Parlamentarier twitterten, dass während der Sitzung etwa 30 Schüsse zu hören gewesen seien. Passanten versuchten, dem getroffenen Soldaten Erste Hilfe zu leisten. Nach Angaben der Polizei hatte es zuvor keinen konkreten Hinweis auf das Verbrechen gegeben.
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