Schüsse im Thalys: Terror oder Raub?

Die Amerikaner Anthony Sadler (links) und Alek Skarlatos (Mitte) und der Brite Chris Norman wurden nach ihrem mutigen Einsatz im Thalys mit der Medaille der Stadt Arras ausgezeichnet. Bild: Frederic Leturque/dpa

Der Marokkaner aus dem Thalys war den Behörden bekannt: Spanische Ermittler sollen ihn schon 2012 als "potenziell gefährlich" eingestuft haben. Doch der Mann weist alle Terror-Vorwürfe zurück.

Nach den Schüssen in einem Thalys-Zug gehen die Ermittler Hinweisen auf einen islamistischen Hintergrund nach. Der festgenommene 25-jährige Marokkaner war mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnet und hatte nach Angaben der Behörden am Freitag im Hochgeschwindigkeitszug zwischen Brüssel und Paris mehrere Schüsse abgegeben. Fahrgäste, darunter zwei US-Soldaten, überwältigten ihn. Bei dem Vorfall wurden zwei Menschen schwer verletzt.

Der Verdächtige sagte den Ermittlern, er habe die Waffen in einem Park in Brüssel gefunden. Der Mann sei erstaunt über den Vorwurf des Terrorismus, sagte die Anwältin Sophie David, die ihn nach eigenen Angaben zu Beginn seines Gewahrsams betreute, am Sonntag. Seine Erklärung für den Vorfall: Er wollte Passagiere im Thalys erpressen, anschließend ein Fenster einschießen und dadurch flüchten. Er bestreitet demnach auch, geschossen zu haben. Auch eine Reise in die Türkei und nach Syrien bestritt er. Die französischen Behörden sind zum Motiv des Manns bislang zurückhaltend. Nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve hatten die spanischen Behörden den Mann wegen seiner Zugehörigkeit zur radikal-islamistischen Szene gemeldet. Von 2007 bis 2014 lebte er nach Aussagen dortiger Ermittler in Spanien. Der Marokkaner wurde mehrfach wegen des Verdachts des Drogenhandels festgenommen. Wie die spanische Presse am Sonntag berichtete, radikalisierte er sich in Spanien und wurde 2012 als "potenziell gefährlich" eingestuft. Zuletzt soll er in Belgien gelebt haben., nach Aussage der Anwältin bezeichnete er sich als obdachlos.

Nach Darstellung Cazeneuves war ein französicher Fahrgast vor der Zugtoilette auf den Mann mit der Kalaschnikow getroffen, dessen Oberkörper nach Zeugenaussagen nackt war. Er versuchte, ihn zu stoppen, dann fielen Schüsse. Daraufhin stürzten sich die beiden US-Soldaten in Zivil auf den Mann, bevor noch ein amerikanischer Student und ein britischer Geschäftsmann hinzukamen.

Frankreich war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt das Land.
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