Schulterschluss mit dem Pontifex

Bei der Ankunft in Quito: Ecuadors Präsident Rafael Correa (rechts) sonnt sich im Glanz von Papst Franziskus. Bild: dpa

Der Papst besucht Ecuador - ein Ereignis, das Präsident Rafael Correa in Zeiten der innenpolitischen Krise nicht ungelegen kommt. Optisch und verbal sucht er den Schulterschluss mit Franziskus.

Ecuadors Präsident Rafael Correa ist ein Medienprofi. Der Linkspolitiker aus Guayaquil hat eine eigene wöchentliche TV- und Radioshow, in der er über Stunden die Politik seiner Bürgerrevolution erklärt. Spötter und Kritiker sprechen von einer mit Steuergeldern finanzierten Propagandashow, Correas Anhänger dagegen von einem Akt der Basisdemokratie und Transparenz.

Beim Papstbesuch in Ecuador nutzte Correa nun die große Bühne, um seinem Land und der Welt zu zeigen, wie eng seine Bande zum ersten Kirchenoberhaupt Lateinamerikas sind. Schon beim Empfang am Flughafen in Quito nahm Correa den Papst in die Arme. Eine bei solchen Anlässen eher unübliche Geste - soll doch zumindest rein optisch eine Distanz zwischen Kirchen- und Staatsoberhaupt gewahrt bleiben. Besonders bei Staatsführern mit zweifelhaftem Ruf könnten Bilder entstehen, die für den Papst unvorteilhaft sind.

Doppelte Moral

Correa ist kein Despot und kein Diktator - auch wenn ihn seine Kritiker gelegentlich als solchen bezeichnen -, dafür aber ein gewiefter Populist, der genau weiß, welche Bilder er in der derzeitigen innenpolitischen Krise des Landes benötigt. Seit Wochen geht die Opposition in dem südamerikanischen Land auf die Straße. Grund für Kritik gibt es aus ihrer Sicht genug, etwa die Doppelmoral des Präsidenten, der sich einerseits zu einem Wortführer des Umweltschutzes aufschwingt, gleichzeitig aber die Ausbeutung des ökologisch hochsensiblen Naturschutzparks Yasuni vorantreibt.

Umweltschutzorganisationen, die sich deshalb und wegen anderer Abholzungsaktionen im Land besorgt zeigen, bekommen den Einfluss des Machtapparates zu spüren. Einer Gruppe deutscher Parlamentarier, die sich vor einigen Monaten vor Ort ein Bild machen wollte, wurde die Einreise verweigert, weil sie sich ihre Gesprächspartner nicht vorschreiben lassen wollte. Der Interamerikanische Presseverband SIP schrieb noch am vergangenen Wochenende an den Papst, er möge auf die Einhaltung der Presse- und Meinungsfreiheit in Ecuador dringen, nachdem zuletzt regierungskritische Journalisten von der Correa-Regierung unter Druck gesetzt worden seien.

In diesem Klima setzt der Präsident nun auf einen optischen und verbalen Schulterschluss mit dem populären Papst. Unmittelbar vor dem Eintreffen des Argentiniers wies Correa Kritik an einer Instrumentalisierung des Papstbesuchs für eigene Zwecke zurück. "Wir werden niemals den Besuch des Papstes politisieren, eine andere Sache sind allerdings seine Ideen und Botschaften, die tief politisch sind", sagte Correa. Die jüngste Umwelt-Enzyklika des Papstes zeige in Teilen eine große Übereinstimmung mit der ecuadorianischen Verfassung, so Correa. Auch in seiner Begrüßungsrede nutzte Correa die Gelegenheit, seine politische Nähe zur Umwelt-Enzyklika zu unterstreichen und präsentierte sich als Vorkämpfer für ein sozial gerechteres Amerika. Vor allem die reichen, christlichen Völker aus dem Norden müssten ihre Denkweise umstellen, so der Präsident. Sie beherrschten die Märkte und die Märkte beherrschten die Medien. Es müsse jedoch genau umgekehrt sein: Politik und Wirtschaft müssten den Menschen dienen.

Mehr Hilfen für Familien

Am zweiten Tag seines Besuches in Ecuador mahnte Papst Franziskus mehr staatliche Hilfen und gesellschaftliche Anerkennung für Familien an. Die Familie sei ein "großer sozialer Reichtum, den andere Einrichtungen nicht ersetzen können", sagte er vor mehreren hunderttausend Menschen in Guayaquil. Dieser Reichtum müsse "unterstützt und verstärkt werden". Hilfen für Familien seien nicht eine "Art Almosen", so der Papst bei einem Gottesdienst unter freiem Himmel.

Ecuador hat nach Nicaragua die zweithöchste Rate von Teenager-Elternschaften in Lateinamerika. Viele Frauen bekommen ihr erstes Kind bereits als Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren.
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