Schulz als Zählkandidat?

Die Gerüchteküche brodelt: Angeblich will Sigmar Gabriel (links) EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidaten vorschicken. Bild: dpa

Martin Schulz statt Sigmar Gabriel als SPD-Kanzlerkandidat 2017? Ein solcher Bericht wird im Willy-Brandt-Haus belächelt. Aber die wenig erbaulichen Aussichten und Spekulationen zeigen: Die Unruhe wächst.

Bisher waren sich führende Genossen eigentlich sicher: "Diesmal muss Sigmar ran." Einmal schon konnte SPD-Chef Sigmar Gabriel mit Peer Steinbrück einen Anderen dafür gewinnen, in das aussichtslose Rennen gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu gehen. "Ein Fehler", wie Steinbrück heute einräumt. Gabriel sagt selbst, ein SPD-Chef müsse auch bereit sein für eine Kanzlerkandidatur. Daher scheint ausgemacht, dass er als amtierender Vizekanzler 2017 antreten muss. Doch nun bringt die "Bild"-Zeitung einen neuen Namen ins Spiel.

Von "vertraulichen Runden" ist die Rede. "Ein Name fällt dabei immer wieder: Martin Schulz, derzeit (und noch bis Anfang 2017) Präsident des Europaparlaments", schreibt der Leitende Redakteur Rolf Kleine, gut vernetzt in der SPD und Steinbrücks Pressesprecher im Wahlkampf 2013. Denn wenn Gabriel selbst antrete und ebenfalls nur 25 oder 26 Prozent hole, werde er den Vorsitz verlieren, so wird ein Mitglied der engsten SPD-Führung zitiert. Also müsse ein Ersatzkandidat her.

Sein Umfeld und führende Sozialdemokraten meinen, da sei nichts dran. Von "blühendem Unsinn" ist die Rede mit Blick darauf, dass es schon irgendwelche Verabredungen geben könne. Umfragen werden ja offiziell ignoriert, aber hier gibt es am selben Tag mal wieder wenig Erbauliches: 23 Prozent für die SPD. Nur 13 Prozent wollen Gabriel als Kanzler, Merkel liegt bei 61 Prozent.

Gabriel hat auf die Lobeshymnen für sein Agieren nach der suboptimal gelaufenen Wahl, nach den Erfolgen im Koalitionsvertrag und dem mit Bravour bewältigten Mitgliedervotum über den Eintritt in die Große Koalition nie viel gegeben. Er wusste, es kann auch wieder anders kommen. Zuletzt musste er viel vom "sprunghaften und launischen" Gabriel lesen.

Schulz war Spitzenkandidat im Europawahlkampf, der gelernte Buchhändler aus Würselen bei Aachen erreichte 27,3 Prozent. Immerhin plus 6,5 Punkte im Vergleich zu 2009. Trotzdem verlor er die europaweite Wahl gegen Jean-Claude Juncker, der nun Kommissionschef ist. International ist Schulz bestens vernetzt. Aber ein Wahlkampf gegen eine möglicherweise noch einmal antretende Merkel? Andere "Ersatzkandidaten" scheiden derzeit wohl aus: Etwa Außenminister Frank-Walter Steinmeier, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz.
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