Schwangerschaft ohne ärztliche Verschreibung verhindern: SPD sieht bereits "die Schlacht ...
Noch kein Patentrezept für "Pille danach"

Kleines Medikament, große Debatte: Die so genannte "Pille danach" wirft nicht nur rechtliche und medizinische, sondern auch ethische Fragen auf. Archivbild: dpa
Eine rezeptfreie Abgabe der "Pille danach" in Deutschland wird wahrscheinlicher. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach zeigte sich im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" (Donnerstag) zuversichtlich. "Die Schlacht ist geschlagen", sagte er. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Gesundheitsexperte Jens Spahn (beide CDU) hatten sich zuvor verhalten zu dem Thema geäußert.

Hintergrund ist eine Empfehlung des Europäischen Arzneimittelausschusses EMA vom Freitag, die "Pille danach" mit dem Namen "ellaOne" aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Bei dem Präparat handelt es sich um ein Ulipristalacetat-haltiges Notfallkontrazeptivum, das zentral über die EU zugelassen wurde und für das bisher eine EU-weite Rezeptpflicht gilt. Aus Sicht der EMA gibt es keine gesundheitlichen Bedenken für eine rezeptfreie Abgabe. Nun muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie der Empfehlung zustimmt. Wann darüber entschieden wird, ist offen.

Falls die EU diese "Pille danach" aus der Rezeptpflicht entlässt, darf weiterhin jedes EU-Mitgliedsland selbst entscheiden, ob es diese Vorgabe übernimmt. Dies ist festgehalten in der EU-Richtlinie über die Zulassung von Arzneimitteln und explizit Verhütungsmitteln. Theoretisch kann sich daher das Bundesgesundheitsministerium weiterhin gegen eine rezeptfreie Abgabe entscheiden, muss dies jedoch der EU-Kommission mitteilen und auch begründen. Minister Gröhe hatte am Freitag betont, dass die Empfehlungen des EU-Arzneimittelausschusses genau geprüft würden. Wenn die Beratung aufgrund einer Brüssler Entscheidung künftig nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden müsse, sei "eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg", so Gröhe. Ziel sei es dann, mit Frauenärzten, Apotheken und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung zu entwickeln. Es sei ihm wichtig, "eine gute Beratung aus einer Hand sicherzustellen". Spahn, der gesundheitspolitischer Sprecher der CDU ist, schlug eine strukturierte Beratung mit Beratungsbogen wie in der Schweiz als Verpflichtung vor. Lauterbach nannte diesen Vorschlag konsensfähig. Spahn gab zudem zu bedenken, dass eine rezeptfreie Abgabe bedeute, dass die Kassen die "Pille danach" nicht mehr übernähmen. Daher müsse sichergestellt werden, dass Minderjährige das Notfallmedikament weiterhin kostenfrei erhielten. Um die Rezeptpflicht des Levonorgestrel-haltigen Präparats "Pidana" wird in Deutschland seit langem gerungen. Bislang hatte Gesundheitsminister Gröhe eine Freigabe ohne Rezept abgelehnt. Auch die Ärzteschaft sieht eine rezeptfreie Abgabe kritisch. Die katholische Kirche lehnt eine rezeptfreie Abgabe ab und ist zudem strikt gegen jedes Präparat mit abtreibender Wirkung.
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