Schwarz-rote Koalition ringt um Nachfolger für Gauck
Präsident verzweifelt gesucht

Berlin. Die Parteichefs der Großen Koalition haben die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vertagt. Es gebe keine Verständigung, die Gespräche würden aber fortgesetzt, erfuhr die dpa am Sonntag nach einem Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel (SPD) und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer aus Teilnehmerkreisen. Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) soll das Treffen am kommenden Wochenende fortgesetzt werden. Gabriel sagte dem RND: "Eine Einigung ist weiterhin nicht ausgeschlossen."

Dass die Spitzenpolitiker einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren würden, galt schon vor dem Treffen als unwahrscheinlich. Gabriel hatte sich für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Nachfolger für Bundespräsident Joachim Gauck stark gemacht.

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" wollten Merkel und Seehofer eine Kandidatur Steinmeiers nicht unterstützen. In der Union wurde jedoch nicht ausgeschlossen, dass es am Ende doch noch eine Verständigung geben könne. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: "Unsere Haltung bleibt klar: Als Bundespräsident kommt nur eine exzellente Persönlichkeit infrage. Frank-Walter Steinmeier ist dafür ein guter Maßstab."

Neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle - die beide dem Vernehmen nach nicht wollen - war in der Union auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Kandidatin im Gespräch. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) betonte im ARD-"Bericht aus Berlin": "Ich habe, glaube ich, eine realistische Vorstellung sowohl von meinen Möglichkeiten wie von diesem Amt."

Gauck hatte erklärt, er stehe aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Sein Nachfolger wird am 12. Februar von der Bundesversammlung gewählt. Die Unionsparteien verfügen dort zwar über mehr Stimmen als SPD und Grüne zusammen, haben aber keine absolute Mehrheit.
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