Schweden lässt Vorwürfe der Vergewaltigung fallen
Hoffnung für Assange

Wikileaks-Gründer Julian Assange. Archivbild: dpa

Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, muss nicht mehr die schwedische Justiz fürchten. Dennoch droht ihm weiterhin die Festnahme. Der Australier meldet sich zu Wort: "Ich vergebe und vergesse nicht."

Stockholm/London. Nach sieben Jahren hat Schweden überraschend die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft in Stockholm teilte am Freitag mit, ihre Ermittlungen gegen den 45-Jährigen einzustellen. "Wir sehen keine Möglichkeiten, die Ermittlungen weiter voranzubringen", sagte Anklägerin Marianne Ny in Stockholm. Sie betonte: "Wir treffen keine Aussagen zur Schuld."

Festnahme droht


Damit sind für den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks die Probleme mit Polizei und Justiz noch nicht vom Tisch. Die britische Polizei kündigte an, ihn festzunehmen, sobald er die ecuadorianischen Botschaft in London verlasse. Scotland Yard ergänzte, es gehe nunmehr um ein "viel weniger schweres Vergehen". Nähere Angaben, wer Assange was vorwirft, machten die britischen Ermittler vorerst nicht. Wie der Nachrichtensender Sky News berichtet, soll es sich dabei um einen Verstoß gegen die Auflagen handeln, die der Internetaktivist im Jahr 2012 akzeptiert hatte. Damals war er gegen Kaution auf freien Fuß gekommen. Seitdem lebt er in der Botschaft, um einer Auslieferung zu entgehen. Ecuador forderte freies Geleit, damit er die Botschaft verlassen kann.

"Ich vergebe nicht"


"7 Jahre lang ohne Anklage festgehalten. .., während meine Kinder großgeworden sind und mein Name verleumdet wurde", schrieb Assange auf Twitter. Er fuhr fort: "Ich vergebe und vergesse nicht." Assange fürchtete stets, zunächst an Schweden und von dort an die USA ausgeliefert zu werden. Die USA machen ihn dafür verantwortlich, dass über seine Plattform brisante US-Dokumente aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak veröffentlicht wurden. Eine der wichtigsten Quellen war dabei die Whistleblowerin Chelsea Manning, die deswegen 2013 zu 35 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war und später von US-Präsident Barack Obama begnadigt wurde. Nach fast sieben Jahren in US-Militärhaft kam sie vor wenigen Tagen wieder auf freien Fuß. Über einen möglichen Auslieferungsantrag der US-Regierung ist allerdings nichts bekannt.

Die Vergewaltigungsvorwürfe stammen aus dem Jahr 2010. Nach langem Tauziehen war Assange im November in der Botschaft vernommen worden. Die schwedischen Staatsanwälte erläuterten, die Entscheidung hänge nicht mit einer möglichen Strafverfolgung des Wikileaks-Gründers durch die US-Behörden zusammen.
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