Seehofer in Moskau
Eisiger Wind

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) steht bei eisigem Wetter auf dem Roten Platz in Moskau vor der St.-Basilius-Kathedrale. Bild: dpa

Das russische Medienecho auf Horst Seehofers Besuch bei Wladimir Putin ist sehr einhellig: Der CSU-Chef wird als "Stimme der Vernunft" und Kritiker Merkels präsentiert. Seehofer sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert, er habe sich instrumentalisieren lassen.

Moskau. Ein eisiger Wind fegt über den Roten Platz, als Horst Seehofer am Morgen nach seinem Gespräch mit Wladimir Putin zum Fototermin kommt. Der bayerische Ministerpräsident nimmt Aufstellung, die berühmte Basilius-Kathedrale in Hintergrund. Und dann muss er angesichts des russischen Medienechos erneut versichern, dass er bei seinem Gespräch mit dem Präsidenten am Vorabend keinesfalls gegen Kanzlerin Angela Merkel agiert habe.

Fünf Minuten im Fernsehen


Einen fünf Minuten langen Bericht, der am Mittwochabend im russischen Fernsehen lief, hat Seehofer aber sehr wohl angeschaut. "Das war relativ lang, das stimmt", sagt er - und betont: "Trotzdem wissen wir, dass Interpretationen nicht nur in Deutschland stattfinden." Seehofer will damit noch einmal der Kritik widersprechen, die ihm zu Hause entgegenpeitscht: dass er sich von Putin einfach instrumentalisieren lasse.

Moskaus Staatsmedien räumen dem Gast ungewöhnlich viel Raum ein. Dabei ist in Russland außer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dem Putin-Vertrauten Gerhard Schröder und vielleicht noch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kein deutscher Politiker wirklich bekannt. Auch viele landesweite Tageszeitungen erwähnen den (Frei-)Staatsbesuch prominent. Fast alle Berichte haben eines gemeinsam: Seehofer wird als seltene "Stimme der Vernunft" präsentiert, inmitten des Streits um westliche Sanktionen und die Flüchtlingskrise. Es wird signalisiert: Es gebe massive Risse in der Koalition, Merkel habe den Laden nicht im Griff. Auch der Kreml äußert sich ungewöhnlich optimistisch. Putin treffe sich mit jedem, dem die russisch-deutschen Beziehungen wichtig seien. Seehofer sei nicht der erste gewesen, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow - und fügt süffisant hinzu: "Und wir hoffen, bei Weitem nicht der letzte."

Von Linie abgewichen


Der russische Politologe Wladislaw Below hält die Kritik an Seehofer für wenig gerechtfertigt. "Vergessen wir nicht: Ende Oktober äußerte sich auch Sigmar Gabriel in Moskau skeptisch über die Sanktionen", sagt der Deutschland-Experte von der Akademie der Wissenschaften in Moskau. Doch zu Hause zürnt nicht nur die Opposition. Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), wirft Seehofer vor, mit seiner Forderung nach Lockerung der Sanktionen weiche er von der deutschen und europäischen Linie ab.

Seehofer entgegnet, Kanzlerin, Außenminister und Staatsregierung hätten das gleiche Ziel. Er betont außerdem, dass er im Ausland nicht als "Oberlehrer" auftreten wolle. Wobei Seehofer bei dem Termin mit Putin wohl klar geworden ist, dass derlei auch nichts nützen würde. So muss er einräumen: "Man konnte keine Zweifel haben, wer wo steht."
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