Seehofer legt sich fest
CSU-Chef für Obergrenze bei 200 000 Flüchtlingen

Vor ihrer Jahresauftakt-Klausur in Kreuth legt die CSU nach: Erstmals beziffert Parteichef Seehofer die geforderte Flüchtlings-Obergrenze. Die Konfrontation in der Bundesregierung wird dadurch noch härter.

Berlin/Athen/Zagreb. CSU-Chef Horst Seehofer verlangt eine konkrete Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen pro Jahr für Deutschland. Damit verschärft er den Asyl-Streit in der Union weiter. 200 000 Flüchtlinge aufzunehmen, das könne Deutschland verkraften, sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". "Und da funktioniert auch die Integration. Alles was darüber hinaus geht, halte ich für zu viel", sagte der bayerische Ministerpräsident. Die CSU fordert eine Obergrenze seit Monaten, hat bisher aber keine Zahl genannt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dagegen lehnt eine Obergrenze bisher strikt ab.

Entscheidung in Kreuth?


Der Koalitionspartner SPD forderte CDU und CSU zu einer Einigung auf. Der Streit verunsichere die Menschen, kritisierte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann sagte, die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge müsse 2016 deutlich reduziert werden. "Das ständige Gerede über nationale Obergrenzen hilft dabei keinen Schritt weiter."

Merkel und Seehofer kommen an diesem Mittwoch zur CSU-Klausur nach Kreuth. Hier wollen die CSU-Bundestagsabgeordneten auch die Forderung nach einem Einreisestopp für Flüchtlinge ohne Papiere beschließen. Kontrollen an den deutschen Grenzen werde es wohl auf absehbare Zeit weiter geben, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Trotz Frost und Schnee


Trotz des Wintereinbruchs sind weiter Tausende Flüchtlinge in Richtung Deutschland unterwegs. In Serbien und Kroatien liegen bis zu 20 Zentimeter Schnee. Dennoch wurden in Kroatien allein in den ersten Stunden des Sonntags rund 2800 Migranten gezählt. Aus der Türkei kämen täglich mehr als 4000 Flüchtlinge auf die vorgelagerten griechischen Inseln, sagte der für Migration zuständige griechische Vizeminister Ioannis Mouzalas. Die Behörden registrierten neben Kriegsflüchtlingen aus Syrien nun immer mehr Migranten aus Nordafrika.

Die Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland wird wegen starker Winde immer gefährlicher. Ein zweijähriger Junge aus Syrien kam am Samstag bei einem Bootsunglück ums Leben. Es sei der erste Flüchtling, der im neuen Jahr in der Ägäis gestorben sei, teilte die griechische Küstenwache mit. (Seite 4 und 15)
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