Seehofer stimmt zwei neuen Gleichstromleitungen zu
Trassen unklar

Symbolbild: dpa
Berlin/München. (dpa/lby) Nach monatelangem Widerstand Bayerns ist der Weg für zwei neue Gleichstromleitungen in den Süden Deutschlands grundsätzlich frei - der genaue Trassenverlauf ist aber noch offen. Die Leitungen sollen jedoch stärker als bisher geplant auf bestehenden Trassen verlaufen, und es sollen vorrangig Erdkabel verlegt werden.

Die Koalitionsspitzen verständigten sich in der Nacht zum Donnerstag sowohl auf den Bau des sogenannten SuedLinks als auch der sogenannten Südost-Trasse. Endpunkt der Südost-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern solle nun der Netzknoten Isar bei Landshut sein, heißt es in dem entsprechenden Eckpunkte-Papier, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und CSU-Chef Horst Seehofer absegneten. Und beim SuedLink sollen die Netzbetreiber nun auch mindestens eine Variante ausarbeiten, bei der die «Stammstrecke» nicht über Bayern nach Baden-Württemberg führt.

Damit solle ermöglicht werden, den stark belasteten Netzknotenpunkt Grafenrheinfeld zu entlasten, heißt es in dem Papier. Konkret ist angedacht, dass es beim SuedLink irgendwo eine Abzweigung gibt - und dann ein Strang ins unterfränkische Grafenrheinfeld führt und ein zweiter Strang nach Großgartach in Baden-Württemberg. Über den genauen Trassenverlauf soll dann erst später entschieden werden.

Grundsätzlich verständigten sich die drei Parteichefs darauf, bei den neuen Nord-Süd-Stromautobahnen stärker als bisher vorgesehen bestehende Trassen zu nutzen; neue sollen «soweit wie möglich vermieden werden». Auch sollen teure Erdkabel vorrangig verlegt werden, um den Widerstand vor Ort zu reduzieren. «Die Mehrkosten sind gerechtfertigt, da die Maßnahme zu mehr Akzeptanz und zu einem schnelleren Ausbau führt», heißt es in dem Koalitionsbeschluss.

Auch Seehofer stellt sich damit nun hinter den Netzausbau - nachdem er die Notwendigkeit der beiden Gleichstromtrassen lange infrage gestellt hatte. In dem Papier heißt es: «Das Stromnetz muss in die Lage versetzt werden, den vermarkteten Strom zu den Kunden zu transportieren. Daher wollen wir bestehende Netzengpässe beseitigen.»

«Der Netzausbau kommt, aber er wird für Menschen und Natur so verträglich wie möglich gemacht», sagte Gabriel am Donnerstag in Berlin. Er danke Seehofer für dessen Kompromissbereitschaft. Gabriel betonte, der CSU-Chef habe seinen Widerstand gegen die beiden Gleichstromtrassen, den Transportbedarf von Nord nach Süd und auch gegen die Endpunkte aufgegeben. Dabei fügte der SPD-Vorsitzende hinzu, dass er selbst schon seit zehn Jahren für Erdkabel werbe.

Die Koalitionsspitzen verständigten sich auch auf den Weiterbetrieb des hochmodernen, aber derzeit unrentablen Gaskraftwerks Irsching bei Ingolstadt. Dafür sollten nun die Voraussetzungen geschaffen werden. «Damit wird auch der Fortbetrieb eines modernen Gaskraftwerkes wie Irsching erreicht.»

Zudem sollen bestimmte Gaskraftwerke auch längerfristig als Reservekraftwerke herhalten: Ab dem Jahr 2021 würden «als Teil einer Reservelösung für Süddeutschland» neue Kraftwerke mit bis zu zwei Gigawatt Leistung vorgesehen, die schnell hochfahrbar und flexibel regelbar seien. Gabriel sagte dazu, dabei gehe es um den möglichen Bau von Gasturbinen, die aus dem Nichts heraus Strom für Notfälle produzieren könnten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.