Seehofer und die Stromtrassen: So geht Politik nicht

"So geht Politik!" Das raunte Horst Seehofer vorige Woche hinter vorgehaltener Hand, als er den jetzt gefundenen Kompromiss im Stromtrassenstreit andeutete. Ohne seine Konfrontationstrategie, wollte er damit sagen, wären die "Monstertrassen" gekommen. Nun also gibt es abgespeckte, womöglich verträglichere Varianten. Dass Seehofer stets propagierte, mit ihm werde es überhaupt keine neuen Trassen geben - gemach, alles nur Verhandlungstrick!

So geht Politik? Nein, so geht Politikverdrossenheit! Seehofers Politikstil, mit ausgefahrenen Ellbogen und straff sitzenden weiß-blauen Scheuklappen bis zuletzt stur das Maximum zu fordern, funktioniert nur solange, bis es zum Schwur kommt. So ist es bei den Stromtrassen, so droht es bei der "Ausländermaut", so wird es beim Länderfinanzausgleich sein. Politik in einer Demokratie lebt vom Kompromiss. Wer seinen Bürgern suggeriert, er würde deren Wünsche immer und überall ohne Abstriche durchsetzen, hinterlässt am Ende viele Enttäuschte am Wegesrand.

Zu diesen gehören die Menschen in Ostbayern, die gegen die "Monstertrasse" protestiert und sich auf Seehofers Wort verlassen haben. Dabei muss auch Seehofer klar gewesen sein, dass sein Versprechen mit Blick auf die fast einhellige Meinung in der Fachwelt nicht haltbar sein würde. Seehofer hat Zeit für die Energiewende vergeudet und Vertrauen verspielt. Ein hoher Preis für einen erwartbaren Kompromiss.

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