Seinen Auftritt in den USA nutzt der israelische Premier Netanjahu für eine Botschaft an die ...
"Wie ein Rockstar"

Benjamin Netanjahu auf allen Bildschirmen: Der Auftritt des Regierungschefs wurde - wie im Bild in einem Elektrogeschäft in Jerusalem - in Israel genau verfolgt. Bild: dpa
Seine Rede solle nicht politisch sein, hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gleich zu Beginn beteuert. Er bedaure, dass einige seinen Auftritt vor dem US-Kongress als politisches Manöver aufgefasst hatten: "Das war nie meine Absicht." Entrüstung schwang in seiner Stimme mit. Ganz so, als sei ihm unbegreiflich, wie seine Kritiker auf die Idee kommen könnten, der Besuch in den USA sei Teil seines Wahlkampfs. Dabei sind es keine zwei Wochen mehr, bis in Israel die Knesset gewählt wird. Es ist eine Zeit, in der jeder Schritt, jede Äußerung der Politiker mit Spannung verfolgt wird. In der die Umfragewerte täglich schwanken und jede Äußerung, jedes Ereignis sie neu ausschlagen lässt.

Am Dienstag, dem Tag, an dem Netanjahu seine Rede hielt, begann in Israel offiziell der Wahlkampf. In Radio und Fernsehen werden nun Wahlkampf-Spots gesendet. Netanjahu hatte für seine Rede in den USA eine Bühne, wie es sie größer kaum gibt. Seine Ansprache nicht zu hören oder zu sehen - in Israel war es fast unmöglich.

Parlamentswahl

Netanjahu wusste das. In seiner Rede sprach er zum US-Kongress, mahnte die Abgeordneten und Senatoren, die geplante Vereinbarung mit dem Iran nicht zu akzeptieren und stattdessen weitere Sanktionen zu verhängen. Aber er sprach in diesen 40 Minuten auch zu Israel. Zu den Menschen, die ihn in zwei Wochen, am 17. März, ein viertes Mal zum Ministerpräsidenten wählen sollen.

Netanjahus Rede enthielt keine neuen Informationen über den Iran und Israels Ansichten dazu. Und doch war sie garniert mit einer Botschaft an seine Wähler. Netanjahu präsentierte sich als Verteidiger Israels, der selbst einen Bruch mit dem Verbündeten USA riskiert, um sein Land vor einer befürchteten Zerstörung durch den iranischen Erzfeind zu bewahren. Und auch als gewiefter Redner, dem die Amerikaner Tribut zollen.

Obwohl es im Vorfeld viel Streit um Netanjahus Rede gegeben hatte - sie war nicht mit dem Weißen Haus abgesprochen, und einige demokratische Abgeordnete blieben der Veranstaltung fern - wurde Netanjahu auf den Fernsehbildern aus Washington gefeiert. "Zynische Israelis könnten das Gefühl haben, schon alles gesehen zu haben - vor allem während des Wahlkampfs", bemerkte die linksgerichtete Zeitung "Haaretz" bissig. Aber es sei doch außergewöhnlich, wenn ein israelischer Führer in den USA empfangen werde "wie ein Rockstar".

Nur zwei oder drei Tage

Selbst am Tag nach der Rede gab es kein anderes Thema als Netanjahu und seinen Auftritt. Zwar bemühte sich die Opposition, Netanjahus Präsenz herunterzuspielen. Niemand höre Netanjahu und seinen Beteuerungen mehr zu, sagte beispielsweise Oppositionsführer Izchak Herzog. Doch selbst Netanjahus Kritiker mussten zugeben, dass viele Israelis die Sorge des Ministerpräsidenten in punkto Iran teilen. Schelly Jachimowitsch vom oppositionellen Zionistischen Lager kritisierte die Rede zwar. Sie räumte Medien zufolge jedoch auch ein, dass die meisten Israelis dem Inhalt der Rede wohl zustimmen würden. Ob Netanjahus Höhenflug bis zur Wahl anhalten wird, ist umstritten. "Die Wirkung solcher Dinge dauert nicht mehr als zwei oder drei Tage", sagte Mark Heller vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Herzlija. Die angeknackste Freundschaft zwischen Israel und den USA zu kitten, dürfte länger dauern.
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