Seit Jahrzehnten erforscht Horst Opaschowski die Deutschen - Für seine aktuelle Familienstudie ...
Propheten des deutschen Durchschnittslebens

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski und seine Tochter Irina Pilawa-Opaschowski. Bild: dpa
"Die Tierwelt macht es den Menschen doch schon lange vor", meint der Hamburger Wissenschaftler Horst Opaschowski. "Die Erfahrung zeigt: Wer sich um andere sorgt, lebt länger." Im Umkehrschluss bedeute das, "wer sich nicht sozial verhält, setzt sein Leben aufs Spiel". Und auf die Zukunft übertragen, so der renommierte Gesellschaftsforscher: "Ältere Menschen, die sich um Kinder und Enkelkinder kümmern, verlängern ihre Lebenszeit. Elternzeit, Vätermonate und Familienpflegezeit wirken wie ein Lebenselixier: Sie bereichern und verlängern das Leben."

Wie zum Beweis stellt der 73-Jährige erstmals gemeinsam mit seiner Tochter Irina Pilawa-Opaschowski (42), Ehefrau von TV-Moderator Jörg Pilawa, am Donnerstag in Hamburg seine neue Studie vor. Diese trägt den Titel "So wollen wir leben! - Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen", das 219 Seiten umfassende Buch dazu ist jetzt erschienen. Zum ersten Mal hat seine Tochter, Erziehungswissenschaftlerin und Grundschullehrerin, daran mitgearbeitet.

Prognosen ab 1970 online

Seit Jahrzehnten nimmt Opaschowski Mensch und Gesellschaft unter die Lupe - bis vor vier Jahren für das 1979 gegründete Freizeitforschungsinstitut des Tabakkonzerns BAT, seither selbstständig. Mit der Verödung von Stadtkernen etwa befasste er sich Anfang der 70er Jahre, mit Trends zu Last-Minute-Reisen und Wellness sowie Freizeitstress in den 80ern, mit den Auswirkungen der Wiedervereinigung und der New Economy in den 90ern. Auf seiner Internetseite, die seine Thesen und Prognosen seit 1970 auflistet, steht auch das "Ende der Spaßgesellschaft" - fünf Monate vor dem Terroranschlag in New York 2001.

Der Forscher sieht 95 Prozent seiner Vorhersagen bewahrheitet. "Das liegt daran, dass bei mir immer der Mensch im Blickpunkt steht - und der ist in seinem Verhalten sehr berechenbar." Der Inhalt seiner Untersuchungen bewegte sich denn oft auch in einem erwartbaren Rahmen.

Die Bedeutung der Familie - bluts- oder wahlverwandt - spielt schon lange eine Rolle bei seinen Analysen. Sie ist und bleibt für viele das Wichtigste im Leben. 88 Prozent der Bevölkerung machten sie zum wichtigsten Garanten für Stabilität und Sicherheit im Leben - "als Geldanlage, Zukunftsvorsorge und Pflegedienst Nr.1", wie seine neue Studie ergab. "Die Familie ist - richtig verstanden im positiven Sinne - billig und barmherzig", sagt er. In Zeiten, wo bei Einschulungsfeiern mehr Großeltern als Geschwister auf den Bänken säßen, wandele sie sich zudem zur Drei- bis Viergenerationenfamilie.

Neben der Hoffnung auf mehr "Wir-Gefühl" statt "Ego-Kult" (86 Prozent) setzten bei der Befragung 84 Prozent vor allem auch auf die "Freundschaft zwischen den Generationen". Die Beziehungen zwischen diesen werde wichtiger als die zwischen Partnern.

Nicht unter einem Dach

Als Tendenz zeichne sich die Mehrgenerationenfamilie an verschiedenen Orten und nicht die Großfamilie unter einem Dach ab. "Dieser neue Familientypus bildet keinen gemeinsamen Haushalt und pflegt doch enge familiäre Beziehungen", betont der Forscher - und muss nach diesem Modell gar nicht lange suchen. Seine Tochter und sein Sohn sowie die fünf Enkelkinder wohnten nicht im selben Haus mit dem Ehepaar Opaschowski ("Um Gottes willen", sagt seine Frau) - aber sehr nahe.

Horst W. Opaschowski: "So wollen wir leben! - Die 10 Zukunftshoffnungen der Deutschen", 219 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro.
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