Selbst innerhalb der Oberpfalz sind die Unterschiede enorm
Reiche leben fast elf Jahre länger

Symbolbild: dpa

Wie lange man lebt, hängt auch vom Wohnort ab. Statistisch gesehen bleiben den Menschen in Pirmasens am Ende rund sieben Jahre weniger als in Starnberg. Im oberfränkischen Hof sieht es nicht viel besser aus. Selbst innerhalb der Oberpfalz sind die Unterschiede enorm. Doch Was steckt hinter solchen statistischen Zahlen?

Berlin. Felsengebirge, Biotope, Wald und Wiesen - Pirmasens in der Pfalz liegt in idyllischer Landschaft. Doch nirgends sonst in Deutschland ist die Lebenserwartung niedriger. Dabei ist die Stadt nur ein besonders deutliches Beispiel für das bundesdeutsche Gefälle bei den durchschnittlichen Chancen auf ein langes Leben. Die Unterschiede sind groß.

Pirmasens ist mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 73,0 Jahren bei den Männern Schlusslicht. Dicht gefolgt wird die Stadt von Hof in Oberfranken (73,5 Jahre), Emden in Ostfriesland (73,6), Suhl (73,9) und Eisenach (74,1) in Thüringen und Straubing in Niederbayern (74,5). 74,6 Jahre lebt man im Durchschnitt in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg, Stendal und Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt sowie der Stadt Bremerhaven.


Durchschnittliche Lebenserwartung der Männer in Bayern

"Altes" Starnberg


Die ehemalige Schuhmachermetropole Pirmasens am Pfälzer Wald ist eine Stadt mit Strukturproblemen und hoher Verschuldung. Eine eher geringe Lebenserwartung gibt es generell auch in weiten Teilen Ostdeutschlands, im Ruhrgebiet und in Teilen des Saarlands oder Frankens - also in eher strukturschwachen Regionen mit Problemen. Das zeigen regionale Daten, die die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ermittelt hat.

Der höchsten Lebenserwartung erfreuen sich die Männer demnach im reichen Starnberg. Dort sind es im Schnitt 81,3 Jahre. Es folgen der teure Hochtaunuskreis bei Frankfurt, München (jeweils 80,9), Böblingen in Baden-Württemberg (80,8), der Bodenseekreis und der Landkreis Ebersberg bei München (80,7 Jahre). Bei den Frauen ist die Lebenserwartung im Schnitt deutlich höher als bei den Männern. Schlusslicht ist auch hier Pirmasens mit 77,1 Jahren. Starnberg liegt bei 83,6 Jahren. Spitzenreiter ist der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit 85,0 Jahren.


Durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen in Bayern


Eine Deutschlandkarte des Bundesinstituts BBSR zeigt Regionen mit hoher Lebenserwartung in sattem rotbraun - vor allem Baden-Württemberg, Teile Bayerns und Hessens sind so eingefärbt.

Keine Frage der Lage


Die geografische Lage ist aber nicht die Ursache der Unterschiede. So beträgt die Lebenserwartung etwa in Gelsenkirchen im Ruhrgebiet bei den Männern im Schnitt nur bei 75,2 Jahren - in der 70 Kilometer entfernten, gediegenen Universitätsstadt Münster liegt sie 4,3 Jahre darüber.

Die Lebenserwartung steht - wie man schon länger weiß - in einer Beziehung zum Einkommen. Unterteilt man das Einkommen in seiner Spannbreite in fünf Gruppen von arm bis reich, dann liegt der Unterschied zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe bei Männern bei 10,8 Jahren. Bei Frauen unterscheidet sich die Lebenserwartung immerhin noch um 8,4 Jahre. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI hält auch einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status für erwiesen: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankung sind sozial Schwächere deutlich häufiger betroffen.

Mehr Depressionen


Es sind also nicht die Wetterverhältnisse in einer Region, es sind nicht die Sonnentage. In einer Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Zimmermanns räumt die Bundesregierung ein, "dass günstigere sozioökonomische Bedingungen in der Wohnregion mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen". Ursache seien Unterschiede bei Bildung, aber auch beim Rauchen, der Ernährung und der Bewegung - sowie bei den Arbeits- und weiteren Lebensbedingungen.

Zimmermann schlussfolgert: "Wer wenig verdient, muss häufiger schwere und gesundheitlich belastende Arbeit leisten, muss unter Lärm und Luftverschmutzung leiden, kann sich nicht so gut ernähren und stirbt früher als Besserverdiener." Arme litten häufiger an chronischen, aber auch an psychischen Krankheiten wie Depressionen. Die Linken-Fraktionsvize sagt: "Die Weichen dazu werden schon im frühen Alter gestellt."


Durchschnittliches Einkommen in Bayern


Zahlen für die OberpfalzAuch in der Oberpfalz ist die Lebenserwartung rein statistisch regional sehr unterschiedlich, es gibt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Im Landkreis Regensburg werden die Frauen mit 83,0 Jahren am ältesten, gefolgt von der Stadt Regensburg (82,8) und den Landkreisen Cham und Neumarkt (jeweils 82,5). Auf Platz fünf liegen die Landkreise Schwandorf und Amberg-Sulzbach mit jeweils 82,4 Jahren vor den Landkreisen Neustadt/WN (82,0) und Tirschenreuth (81,1) sowie der Stadt Amberg (80,3). Am wenigsten alt im Bezirk werden die Frauen mit 79,8 Jahren in Weiden.

Bei den Männern sieht es ähnlich aus. Auch hier führt der Landkreis Regensburg mit 78,9 Jahren. Es folgen der Landkreis Neumarkt (78,4), die Stadt Regensburg (78,0), die Landkreise Schwandorf (77,6), Amberg-Sulzbach (77,3), Neustadt/WN (77,2), Cham (77,0) und Tirschenreuth (76,1). Am wenigsten alt werden die Oberpfälzer Männer in den Städten Amberg (75,9) und Weiden (75,5). (we)

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