Sexueller Missbrauch:
Hintergrund

Beratungsstellen sprechen von bis zu 100 000 betroffenen Mädchen und Jungen pro Jahr. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sieht bei allen Jahrgängen die Millionengrenze an Betroffenen überschritten. Bei mehr als der Hälfte seien die Täter nach heutigem Wissen die Eltern, weitere mindestens 30 Prozent Verwandte oder Freunde der Familie. Bis zu 20 Prozent seien Institutionen betroffen, bis hin zum Verein. Sexueller Missbrauch geschehe aber auch verstärkt bei Kindern und Jugendlichen untereinander.

Hilfe für Betroffene: Zwischen Mai 2010 und Dezember 2014 haben rund 46 000 Menschen versucht, beim Hilfe-Telefon des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs anzurufen, 5200 schrieben Briefe. Rund 27 000 Telefongespräche wurden geführt, im Durchschnitt dauerten sie 20 Minuten. Noch immer melden sich rund 40 Anrufer pro Schicht. Aus Sicht des Beauftragten gibt es zu wenig Beratungsstellen für Männer, die früher sexuellen Missbrauch erlitten.

Entschädigungen: Seit 2010 haben sich beim Jesuitenorden 205 Betroffene gemeldet. 116 von ihnen nahmen jeweils 5000 Euro als Symbol der Anerkennung des Leids an. Darüber hinaus beteiligt sich der Orden in Einzelfällen an Therapiekosten. Bei der Deutschen Bischofskonferenz stellten bisher rund 1500 Menschen Anträge auf finanzielle Entschädigung. Auch hier gilt eine Obergrenze von 5000 Euro pro Person. Über die Gesamtsumme, die bisher ausgezahlt wurde, macht die Kirche noch keine Angaben. (dpa)
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