Showdown: Merkel erneut zu Gast in Kreuth
Seehofer sieht CSU vor schweren Entscheidungen

Der dritte Auftritt der Kanzlerin bei der CSU innerhalb weniger Wochen - und angenehm wird es wohl auch diesmal wieder nicht für Merkel. Horst Seehofer will sich nicht länger abspeisen lassen, weder in Brüssel, noch in Berlin.

Kreuth. Bei ihrem zweiten Kreuth-Auftritt seit Jahresbeginn muss Bundeskanzlerin Angela Merkel mit heftigstem Gegenwind aus der CSU rechnen. Parteichef Horst Seehofer, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Dutzende Abgeordnete verlangen teils ultimativ einen Asyl-Schwenk.

Seehofer forderte von der Kanzlerin und CDU-Chefin nun sogar einen Kurswechsel binnen weniger Wochen. "Ich glaube, das ist eine vernünftige Zeitachse", sagte er am Dienstag in Wildbad Kreuth zur Forderung seines Vorgängers Edmund Stoiber. Dieser hatte Merkel zur Lösung des Problems eine Frist "maximal bis Ende März" gegeben. Die CSU-Abgeordneten warnte Seehofer nach Teilnehmerangaben: "Es können schwere Entscheidungen auf uns zukommen." Konkreter wurde er hier aber nicht. Dobrindt riet der Kanzlerin, rasch einen Plan B zu entwickeln: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir um Grenzschließungen nicht herumkommen. Wir müssen das mit den anderen Ländern auf der Reiseroute der Flüchtlinge zügig absprechen."

In einem Brandbrief fordern mehr als 30 CSU-Landtagsabgeordnete eine Kurskorrektur Merkels - und eine Obergrenze von 200 000 Zuwanderern pro Jahr. In der Unions-Bundestagsfraktion haben sich derweil weniger Abgeordnete an der Unterschriftenaktion gegen Merkels Flüchtlingskurs beteiligt als von den Initiatoren erwartet. Das Schreiben wurde mit den Unterschriften von 44 der 310 Parlamentarier von CDU und CSU an die Kanzlerin gesandt.

Die Innenminister von Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei sprachen sich unterdessen für eine härtere Gangart an den EU-Außengrenzen aus. Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka plädierte für eine Art "zweite Verteidigungslinie" gegen den Flüchtlingsandrang. Notfalls müsse auf der Linie Bulgarien-Mazedonien ein "Reserve-Grenzsystem" geschaffen werden, so der Sozialdemokrat. (Seite 2 und 5)

SchwächeanfallCSU-Chef Horst Seehofer hat am Dienstag während seiner Rede vor den CSU-Landtagsabgeordneten in Wildbad Kreuth kurzzeitig einen Schwächeanfall erlitten. Der 66-Jährige sei gestützt und zu seinem Platz geführt worden, berichteten Teilnehmer. Von dort aus redete der bayerische Ministerpräsident dann im Sitzen weiter. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gab anschließend Entwarnung: "Ihm geht's gut. Er ist absolut okay." (dpa)
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