Sicherheitsbehörden sprechen von Turbo-Radikalisierung
Attentäter von Nizza offenbar doch Islamist

Straße der Trauer in Nizza: Das Leid verschluckt alle Worte. Bild: dpa

Paris/Nizza. Der Attentäter von Nizza war entgegen erster Erkenntnisse vermutlich doch ein Islamist. Die Vernehmungen mehrerer Festgenommener aus seinem nächsten Umfeld deuteten darauf hin, dass der Mann, der mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste, sich vor recht kurzer Zeit dem radikalen Islam zugewandt habe, berichteten französische Medien am Wochenende unter Berufung auf Polizeiquellen. Die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahestehende Nachrichtenagentur Amak bezeichnete den 31-jährigen Tunesier, der mindestens 84 Menschen tötete und mehr als 300 verletzte, als "Soldat" des IS. Drei Tage nach dem Anschlag vom Donnerstagabend schwebten am Sonntag immer noch 18 Verletzte in Lebensgefahr, darunter ein Kind. Insgesamt seien noch 85 Menschen in Krankenhäusern, 29 lägen auf der Intensivstation, sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine.

Der Fernsehsender BFMTV berichtete, dass der seit langem in Nizza lebende Lieferwagenfahrer Mohamed Lahouaiej-Bouhlel noch kurz vor der Tat in mehreren SMS "mehr Waffen" verlangt habe. Die SMS soll er an einen der fünf Männer geschickt haben, die nach der Tat festgenommen wurden. Außerdem wurde eine Frau aus dem Umfeld des Täters verhaftet. Nach anderen Medienberichten leerte der 31-Jährige kurz vor der Tat sein Konto und schickte 100 000 Euro an seine Familie in Tunesien. Die Ex-Frau des Todesfahrers wurde am Sonntag wieder freigelassen.

In ganz Frankreich hatte am Samstag eine dreitägige Staatstrauer begonnen. Am Montagmittag soll es eine Schweigeminute geben. Danach werde die Promenade des Anglais wieder ganz für den Verkehr geöffnet, teilte die Stadt Nizza mit. (Seite 4)
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