Slowakische Führung zu ungünstiger Zeit im Klinikum
Krankenlager

Von Hans-Jörg Schmidt

Bratislava/Prag. Krankennotstand in der politischen Führung der Slowakei: Am vergangenen Freitag musste sich Premier Robert Fico (51) einer Bypass-Operation unterziehen, und nun sieht auch noch Parlamentspräsident Andrej Danko (41) einer Krebsoperation entgegen. Und dies alles, während das Parlament in Bratislava über die neue Regierung debattiert, der es diese Woche noch das Vertrauen aussprechen soll.

Danko wurde am Sonntag mit Verdacht auf Magenkrebs in eine Klinik eingeliefert. Die Operation des Chefs der nationalkonservativen Slowakischen Nationalpartei (SNS) war schon länger geplant gewesen. Fico dagegen hatte sich Anfang vergangener Woche mit plötzlichen Schmerzen in der Brust selbst ins Herzzentrum in Bratislava begeben müssen, wo man ihn am Freitag mehrere Stunden operierte und dabei drei Bypässe setzte. Fico soll es den Umständen entsprechend wieder gut gehen. Sein Zustand sei stabil, hieß es zuletzt. In den slowakischen Medien geben seither Herzspezialisten Ferndiagnosen ab. Die sagen eine längere Phase der Rehabilitation voraus, die Wochen, aber auch Monate dauern könnte. Fico sei als Hobby-Sportler - er spielt immer mal wieder Fußball - jedoch in einem guten Allgemeinzustand, der seine Erholung beschleunigen könnte. Er müsse jedoch in jedem Fall künftig kürzer treten und sich regelmäßig zu Nachuntersuchungen im Herzzentrum melden.

Danko wolle die Öffentlichkeit regelmäßig über seinen Gesundheitszustand informieren, versicherte seine Sprecherin. Die Erkrankung der beiden nach Präsident Andrej Kiska wichtigsten slowakischen Politiker kommt zeitlich nicht eben günstig. Zum einen können Fico und Danko nicht an der laufenden Debatte vor der Vertrauensabstimmung über ihre Regierung teilnehmen. Zum anderen muss sich die Slowakei intensiv auf ihre Rolle in der zweiten Hälfte des Jahres vorbereiten: Das Land übernimmt dort erstmals turnusgemäß die Ratspräsidentschaft in der EU. keine leichte Präsidentschaft angesichts der Flüchtlingskrise.
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