Slowenien löst Kettenreaktion aus
Die Balkanroute ist dicht, Merkel sauer

Die Länder der Balkanroute haben ihre Grenzen für Menschen ohne Pass geschlossen. Zehntausende Verzweifelte sitzen fest. Die Kanzlerin ist alles andere als begeistert: "Das ist nicht die Lösung des Gesamtproblems", sagt sie.

Athen/Belgrad. Die Balkanroute für Flüchtlinge ist faktisch geschlossen. Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien lassen seit Mittwoch niemanden ohne gültigen Reisepass und Visa mehr passieren. Damit sitzen mehr als 35 000 Menschen in Griechenland fest. Auch das Schicksal der Flüchtlinge, die bereits auf der Strecke nach Westeuropa unterwegs sind, ist völlig offen. Ungarn rief landesweit den Krisenzustand aus, Polizei und Militär an der Grenze sollen verstärkt werden.

In Gang gesetzt wurde die Kettenreaktion von Slowenien. Völlig überraschend kündigte die Regierung am Dienstag an, ab Mitternacht wieder streng die Schengen-Regeln anzuwenden und nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa einreisen zu lassen. Kroatien, Serbien und Mazedonien schlossen sich dieser Entscheidung an.

EU-Gipfelchef Donald Tusk begrüßte die Entwicklung. Dies sei keine Frage einseitiger Maßnahmen, sondern eine gemeinsame Entscheidung der 28 EU-Staaten, erklärte er auf Twitter. Tusk bezog sich damit auf die Abschlusserklärung des EU-Gipfels vom Montag, in der es heißt: "Bei den irregulären Migrationsströmen entlang der Westbalkanroute ist das Ende erreicht."

Spätestens auf dem nächsten Gipfel am 17. und 18. März will die EU ein Bündnis mit der Türkei schließen, um den Flüchtlingszustrom einzudämmen und in geordnete Bahnen zu lenken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt wegen möglicher Zugeständnisse der EU an die Türkei aber Gegenwind aus den eigenen Unionsreihen. "Ich sehe Visa-Erleichterungen und beschleunigte Verhandlungen über einen EU-Beitritt kritisch", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Auch im Europaparlament stieß das geplante Abkommen teils auf Kritik.

Die Lage in Griechenland wird immer dramatischer. Nach Angaben des Krisenstabs in Athen stecken inzwischen fast 36 000 Flüchtlinge im Land fest. Und die Zahl steige von Stunde zu Stunde. Seit Jahresbeginn haben bereits mehr als 132 000 Migranten aus der Türkei zu den griechischen Inseln übergesetzt, 38 Prozent von ihnen Kinder, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk mitteilte. Rund 500 überwiegend aus Afghanistan stammende Migranten haben am Mittwoch in Athen lautstark für die Öffnung der Balkanroute nach Mitteleuropa demonstriert. "Macht die Grenze auf" und "Wir sind auch Menschen", skandierten sie.

Merkel kritisierte die faktische Abriegelung der Balkanroute . "Das ist nicht die Lösung des Gesamtproblems", sagte die CDU-Chefin am Mittwoch in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Endspurt des rheinland-pfälzischen Wahlkampfs für die Landtagswahl an diesem Sonntag. Natürlich kämen nun weniger Asylbewerber nach Deutschland. Dafür seien aber jeden Abend die Fernsehbilder gestrandeter Flüchtlinge in Griechenland zu sehen. Das könne auf Dauer nicht gut gehen.
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