So sieht der Wahlkampf von Laura Janácková aus
Frau Doktor zieht die Blicke an

Die 48-jährige Laura Janácková ist Politikerin der tschechischen Regierungspartei ANO. Anfang Oktober will sie in den Senat gewählt werden und posiert auf ihren Wahlplakaten im Stil der US-Fernsehserie "Sex and the City". Bild: Laura Janácková/Facebook

Üblicherweise sind die Prager Autofahrer dauernd frustriert. Weil es auf der immer verstopften Magistrale zwischen Moldau und Wenzelsplatz nur im Schritttempo vorangeht. In letzter Zeit huscht zumindest den Männern öfter mal ein Lächeln übers Gesicht. Zu verdanken haben sie es ausgerechnet Wahlplakaten.

Auf Höhe des Hauptbahnhofs zieht ein riesiges Plakat die Blicke auf sich: Eine hübsche Brünette, nur notdürftig mit einem unschuldig weißen Negligé bekleidet, räkelt sich da lasziv auf einer Bettdecke. Inspiriert ist das Motiv von der US-Fernsehserie "Sex and the City", für die Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker in einer ähnlich frivolen Pose Plakatwerbung machte.

Die 48-jährige Tschechin Laura Janácková, die Frau auf den Prager Plakaten, ist jedoch keine Schauspielerin, sondern eine Politikerin der Regierungspartei ANO. Anfang Oktober will sie in den Senat, die zweite Kammer des Parlaments in Prag, gewählt werden.

"Die Straßen in Prag sind voll mit langweiligen Wahlplakaten, auf denen inhaltsleere Phrasen gedroschen werden. Ich wollte etwas ganz anderes machen", begründet Janácková ihre ungewöhnliche Wahlwerbung mit dem Slogan "Liebe, Sex und Politik".

Therapeutin von Beruf

Die Anleihe bei "Sex and the City" ist kein Zufall, denn von Sex versteht Janácková im wahren Leben eine Menge mehr als andere. Die Psychologin ist nämlich auch Eheberaterin, hat eine eigene Radiosendung, veranstaltet seit Jahren Kurse zum Thema "Intime Zweisamkeit" und hat mehrere Bücher über Liebe und Sexualität verfasst - allesamt wurden zu Bestsellern. "So wie bei 'Sex and the City' zahlreiche Tabus aus dem Sexualleben gebrochen werden, habe ich das seit langem in meinen Büchern getan. Und jetzt will ich auch Tabus in der Politik brechen."

Aus dem ehrwürdigen Senat, in den man erst gewählt werden kann, wenn man ein gesetzteres Alter erreicht hat, will Frau Dr. Janácková künftig keineswegs ein Sündenbabel machen. Sie will sich vor allem in der Gesundheitspolitik engagieren, plädiert unter anderem dafür, dass modernste Krebstherapien allen Patienten zugänglich sein müssten. "Da sich für meine politischen Inhalte bisher aber niemand interessiert hat, habe ich jetzt den Ausweg über das Thema Liebe und Sex gewählt."

Sorgen, dass ihr Wahlplakat mit einer Werbung für die zahlreichen Nachtklubs in Prag verwechselt werden könnte, hat die Kandidatin nicht. Womöglich werde ihre Werbung kontrovers diskutiert und Emotionen auslösen.

"Aber darum geht es ja schließlich auch. Was sollen Plakate mit nichtssagenden Inhalten? Ich habe ein Thema gewählt, das den Leuten etwas sagt. Als Sexualtherapeutin kenne ich vor allem viele Frauen, die das Thema anspricht und die auch die US-Serie kennen."

Sexuell freizügige Werbung ist im vergleichsweise sehr liberalen Tschechien nicht ungewöhnlich. Die Parlamentskandidatinnen der inzwischen verblichenen Gruppierung "Öffentliche Angelegenheiten" zogen sich für einen Kalender fast bis auf die Haut aus. Sozialdemokraten in Mähren machten Wahlwerbung mit einer nackten jungen Frau, die mit einer Hand lediglich ihren Schoß verdeckt und dem Betrachter zweideutig sagt: "Für viele von uns ist es das erste Mal. Geben Sie uns eine Chance!"

Sex soll Stimmung heben

ANO-Chef und Vizepremier Andrej Babis räumt ein, dass Janáckovás Plakat "etwas besonders" ist: "Die Bürger haben von der Politik die Nase voll. Sex könnte die Stimmung beleben." Deshalb habe man auch die Wahlkampagne Janácková abgesegnet. Etwas Bauchschmerzen bereitete lediglich, dass der 1. Prager Bezirk, in dem Janácková kandidiert, als sehr konservativ gilt.

Geht es nach den Besuchern des Internetportals idnes.cz, hat die Politikerin aber ins Schwarze getroffen: Die Zahl derjenigen, die das Plakat geschmackvoll finden, übersteigt da deutlich die Zahl der Kritiker.
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