Solidarisch zum Comeback

Mit Frauenpower, Pep und zur Schau gestellter, guter interner Stimmung will FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner (links, mit Stellvertreter Wolfgang Kubicki und der Hamburger FDP-Chefin Katja Suding) die Wende für seine finanziell angeschlagene Partei schaffen. Bild: dpa

Für FDP-Chef Lindner hätte es kaum besser laufen können. Erst der Wahlerfolg in Bremen, jetzt die fulminante Wiederwahl mit über 92 Prozent beim Parteitag. Ganz nebenbei schafft er eine Zäsur in der Geschichte der Liberalen.

Als das Traumergebnis auf der großen Videoleinwand erscheint, bringt Christian Lindner nur ein Wort heraus: "Wow!" Da oben blinkt die Zahl von 92,4 Prozent - so groß ist bei der Wiederwahl des Vorsitzenden der Dank und die Erleichterung der Parteibasis, dass der erst 36-Jährige die FDP nach dem Rauswurf aus dem Bundestag fast im Alleingang am Leben erhalten hat. Da kann es der Chef auch locker verschmerzen, dass später sein erster Vize Wolfgang Kubicki sogar über 94 Prozent abräumt.

Dabei war Lindner nicht immer Liebling des Fußvolks. So hatte er im Dezember 2013 bei seiner Wahl an die Spitze nur 79 Prozent der Stimmen bekommen. Einigen galt er als Teil der alten Clique, Zweifel waren da, ob der Existenzkampf der großen liberalen Partei für den smarten Ex-Werbeprofi nicht eine Nummer zu groß sein könnte. Das ist lange her und spielt am Freitag in der Berliner "Station", einem alten Postbahnhof, auch keine Rolle mehr.

Lindner ist gereift. Er ist ein unbestrittener Anführer, der aber auch im Team spielen kann. Nur so hat er es auch schaffen können, auf dem Parteitag einen Geburtsfehler zu heilen, der den liberalen Gründervätern unterlaufen war. Mit Zweidrittelmehrheit setzte Lindner im Team mit dem "ewigen Schatzmeister" Hermann Otto Solms (74) durch, dass die Kreisverbände künftig eine Solidarumlage von 25 Euro jährlich an die Berliner Zentrale überweisen.

Bundespartei verschuldet

Während die Kreisverbände nämlich auf 13 Millionen Euro Vermögen sitzen und Sommerfeste feiern, muss die verschuldete Bundespartei darben. Das kann für eine FDP außerhalb des Bundestages zur Gefahr werden. Die Wahlkämpfe 2016 in den großen Flächenländern werden ordentlich ins Geld gehen.

Lindner hatte die Abgabe zur Chefsache gemacht - und ging das (nach Vorabsprachen überschaubare) Risiko ein, bei einem Scheitern dumm dazustehen. Einer seiner Vorgänger an der Parteispitze habe ihn kürzlich noch angerufen und gewarnt, er solle sich die Umlage nicht ans Bein binden, das werde schiefgehen. Lindner hat am Ende Recht behalten. Obwohl eine gewisse Ironie bleibt. Ausgerechnet die FDP will einen Soli einführen, den sie in der Steuerpolitik seit Jahren vehement bekämpft.

Und sonst? Die Wahlerfolge in Hamburg und Bremen haben der FDP das Gefühl gegeben, doch noch gebraucht zu werden. Ob die Sehnsucht der Bürger bis zur Bundestagswahl 2017 anhält, wird auch vom weiteren Arbeiten der Großen Koalition in Berlin und dem Ausgang des Machtkampfes in der AfD abhängen.

Lindner selbst nennt in seiner Rede zwei Hauptgründe für das wiedergewonnene Vertrauen der Wähler. Zum einen seien die Intrigen in der Parteispitze, die jahrelang das Außenbild der FDP negativ prägten, vorbei. In der neuen Führung werde gelacht und an einem Strang gezogen. "Das kannte ich bisher nicht", sagt Lindner, der seit 15 Jahren Berufspolitiker ist.

Kehrtwende bei Bildung

Zum anderen sei die Partei seriös in der Mitte geblieben und habe widerstanden, den "Euro-Hassern" der AfD nur einen Zentimeter hinterherzulaufen. "Schrill und extrem werden, das haben wir anderen überlassen." In der Bildungspolitik bereitet Lindner einen 180-Grad-Schwenk vor - mehr Macht für den Bund, weg vom Länderföderalismus. Das kann er leicht fordern, weil die FDP nirgendwo im Land mehr mitregiert.

Und was ist mit den Frauen? War es nicht der Glamour-Faktor von Katja Suding und Lencke Steiner, der die FDP an Elbe und Weser fürs Erste wiederbelebt hat? "Katja, Du bist die Eisbrecherin der Freien Demokraten, das werden wir Dir nie vergessen!" Die Hamburger Frontfrau dürfte dafür mit einem Stellvertreterposten belohnt werden, Steiner mit einem Platz im Bundesvorstand.

Im März 2016 wird sich zeigen, wie wichtig der Faktor Frau im neuen grell-bunten Pop-Art-Look der Liberalen tatsächlich ist. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz treten männliche Spitzenkandidaten an, die nicht als Charismatiker gelten.
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