Sorge vor möglichem Wahlsieg Trumps wächst
Deutschland will Hillary

Nicht nur eine gewisse optische Ähnlichkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) pflegt einen ähnlichen Politikstil wie die amerikanische Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton. Bild: Michael Kappeler/dpa

Berlin. Die Nacht zum 9. November wird für Viele in Berlin zur langen Nacht. An den verschiedensten Orten der Hauptstadt werden in der Nacht der Entscheidung in den USA Wahlpartys gefeiert. Bis am Mittwochmorgen feststehen wird, ob die Vereinigten Staaten künftig von Hillary Clinton regiert werden oder von Donald Trump. Wird es Trump, sind die Feiern wohl sofort vorbei.

Deutschland - die offizielle Politik wie der Großteil der Bevölkerung - ist sich einig wie selten darin, dass die ehemalige First Lady und Außenministerin die klar bessere Wahl wäre. Nach der neuesten Umfrage für die ARD-"Tagesthemen" meinen 77 Prozent der Bundesbürger, dass sich unter Trump das Verhältnis zu den USA verschlechtern würde. Bei Clinton fürchten das nur fünf Prozent.

Angela Merkel hat sich - im Unterschied zu vielen anderen nie so klar geäußert. Aber wem die Kanzlerin den Vorzug gäbe, liegt auf der Hand. Clinton und sie kennen und schätzen sich seit mehr als 20 Jahren. Beide haben eine nüchterne Art, Politik zu machen. Zudem hat man in Berlin nach acht Jahren Barack Obama zu den Demokraten beste Kontakte.

Dagegen gibt es zum Lager des republikanischen Kandidaten so gut wie keine Drähte. Die Versuche, Zugang zu finden, brachten minimalen Erfolg. Merkel und Trump haben sich auch noch nie gesehen. Um Vertrauen aufzubauen, bräuchte es viel Zeit. Und man darf davon ausgehen, dass der Multimillionär mit seinem Wahlkampf - laut, frauenfeindlich, hetzerisch - eher abgestoßen hat. Was Trump zur Flüchtlingspolititik sagte, zum Pariser Klimavertrag, zur Nato, fand man in Berlin gar nicht gut.

USA wichtigster Partner


Angst hätte Merkel nicht, heißt es in Regierungskreisen. Sie bleibe bei ihrer Linie, erst dann zu urteilen, wenn es so weit sei. Entscheidend sei, wie sich ein Präsident Trump tatsächlich verhalten würde. Ohne den Partner USA mag sich Merkel die Weltordnung nicht vorstellen. Immer wenn sich Washington zurückhalte, drohe dem Westen eine Schwächung.

Allerdings ist keineswegs ausgemacht, dass es unter einer Präsidentin Clinton besser würde. Viele Experten erwarten, dass die Ansprüche an Europa - und damit in erster Linie an Deutschland - unter ihr steigen würden. Im Vergleich zu Obama gilt sie als Verfechterin einer härteren, machtbewussteren, interventionistischeren Linie. Das Verhältnis zu Russland könnte sich verschlechtern.

"Der Tag, dass wir uns nach Obama zurücksehnen, wird möglicherweise nicht sehr lange auf sich warten lassen", heißt es in der Bundesregierung. Die Hoffnung, dass sich in den aktuellen Krisen etwas zum Besseren bewegt, ist dort aktuell nicht gerade groß. Und dann ist im Herbst ja Bundestagswahl, was die Gemengelage keineswegs einfacher macht.

So könnte es beim Obamas Abschiedsbesuch Mitte November durchaus ein sentimental werden. Sein Nachfolger wird spätestens Mitte 2017 in Deutschland erwartet. Wenn Clinton gewinnt, dürfte sich Merkel aber zuvor schon auf den Weg nach Washington machen. Wird es Trump, sieht die Sache anders aus.

Der Tag, dass wir uns nach Obama zurücksehnen, wird möglicherweise nicht sehr lange auf sich warten lassen.Lagebeschreibung aus Kreisen der Bundesregierung zur US-Präsidentenwahl
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