Souveräner Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union
Merkel besänftigt den Parteinachwuchs

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Samstag auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn. Bild: dpa

Ihren Parteinachwuchs holt die CDU-Chefin und "Flüchtlingskanzlerin" mit einem souveränen Auftritt von den Barrikaden - zumindest die allermeisten. Doch die Bayern bleiben bockig.

Paderborn/München. Wenn es Angela Merkel vor ihrem Auftritt bei der eigenen Parteijugend mulmig war, dann lässt sie sich das nicht anmerken. "Die Einstellung ,Ein Muslim kommt bei mir nicht ins Land' ist mit den europäischen Werten nicht zu vereinbaren", ruft die CDU-Vorsitzende am Samstag beim "Deutschlandtag" der Jungen Union allen Kritikern zu, die in der Flüchtlingskrise auf Abschottung setzen. Das CSU-Mantra von einer Obergrenze greift Merkel nicht auf. Ob sie so die grollenden Bayern freundlicher stimmen kann? Die Signale aus der CSU sprechen am Wochenende dagegen.

Lob für die Kanzlerin


Der selbstbewusste Auftritt der Kanzlerin beeindruckt die Delegierten des 117 000 Mitglieder zählenden Unions-Nachwuchses, der Applaus ist weit mehr als nur höflich. Viele seien "verdammt stolz auf das, was Sie geleistet haben" mit einer zuletzt auch restriktiven Flüchtlingspolitik, sagt der wiedergewählte JU-Vorsitzende Paul Ziemiak und dreht sich zu der hinter ihm sitzenden Merkel um: "Frau Bundeskanzlerin, da haben Sie geliefert." Das sehe man übrigens "auch in Bayern" so, fügt er hinzu.

Genau ein Jahr zuvor hatte der in den Bundestag strebende Ziemiak seiner Kanzlerin nach Wochen des ungebremsten Flüchtlingsandrangs noch die Leviten gelesen. "Ich kenne niemanden, der sagt, so kann das auf Dauer weitergehen oder die Zahl kann auch noch steigen", sagte er damals. In Paderborn ist nun alles anders. "Jetzt sind wir ein Jahr später", sagt er. Die Asylbewerberzahlen lägen dieses Jahr wohl "unter 300 000 mit sinkender Tendenz" statt bei knapp einer Million wie 2015.

Zwar beklagt später der bayerische JU-Chef Hans Reichhart eine "Erosion der Volksparteien". In der Aussprache zu Merkels Rede erinnert er an das berühmte Zitat des christsozialen Säulenheiligen Franz Josef Strauß: "Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben." Ob dieser "für das Zusammenwirken von CDU und CSU essenzielle" Anspruch für die CDU-Chefin noch gelte? Merkel bleibt kühl: "Natürlich möchten wir alle, dass die AfD klein wird", aber deswegen könne die Union doch nicht ihre Prinzipien über Bord werfen.

Kein Wort zur Kandidatur


Kurz vor dem Besuch der Kanzlerin hatte die JU einen Vorstoß aus Bayern für die Flüchtlings-Obergrenze von 200 000 Menschen abgelehnt: Ein Antrag, die CDU zu einer Mitgliederabstimmung zu drängen, fiel durch. Merkel geht auf Überforderungsängste ein, indem sie Bund, Länder und Kommunen für konsequente Abschiebungen in die Pflicht nimmt. Eine andere klare Ansage kommt nicht - ob Merkel 2017 wieder als Kanzlerkandidatin antreten will. Die CDU-Chefin geht darauf mit keinem Wort ein - obwohl Ziemiak sie zuvor gelockt hatte: "Ein Deutschlandtag der Jungen Union ist immer gut, sich viel Unterstützung für die Zukunft abzuholen." Der CDU-Nachwuchs schließt die Reihen für Merkel - an dieser Botschaft lässt der JU-Kongress keinen Zweifel.
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