Spannung vor Synodenschreiben
200 Seiten mit päpstlichen Gedanken

Papst Franziskus. Bild: dpa

Rom. (dpa) Nach zweieinhalb Jahren kontroverser Debatten über heikle Familienfragen in der katholischen Kirche werden heute die mit Spannung erwarteten Schlussfolgerungen des Papstes veröffentlicht. Das fast 200 Seiten lange Dokument mit dem Titel "Amoris Laetitia - über die Liebe in der Familie" soll in Rom offiziell vorgestellt werden. Über Streitthemen wie den Umgang mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen hatten die Bischöfe aus aller Welt bei den Familien-Synoden in den vergangenen Jahren intensiv diskutiert, ohne sich auf grundlegende Reformen einigen zu können.

Von dem Lehrschreiben des Papstes werden nun verbindliche Aussagen erwartet. Für Franziskus endet damit ein bemerkenswerter Weg, den er vor mehr als zwei Jahren mit der Befragung von Laien in aller Welt zu Themen rund um Ehe und Familie begonnen hatte. Erstmalig in der Kirchengeschichte hatten sich dann im Herbst 2014 und 2015 zwei Synoden aufeinander aufbauend mit diesem Thema beschäftigt.

Die Ergebnisse der beiden Bischofstreffen fasst Franziskus nun mit seinen eigenen Ansichten in dem Schreiben zusammen. Das Dokument soll mehr als 325 Paragrafen umfassen - und ist damit deutlich länger als das Abschlussdokument der Synode 2015. Damals plädierten die Bischöfe für eine vorsichtige Öffnung in strittigen Fragen, machten jedoch nur wenige konkrete Vorschläge. Die Ansichten darüber, ob Wiederverheiratete in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden sollen, wie die Kirche zu Homosexuellen steht und ob sie sich beim Thema Sexualmoral der Lebensrealität der Gläubigen annähern soll, gehen unter den 1,2 Milliarden Katholiken in aller Welt weit auseinander. Beobachter vermuten daher, in dem Papst-Lehrschreiben könnten sich viele Ansätze wiederfinden.

Eine Revolution erwarten aber nur die wenigsten - denkbar wäre hingegen, dass der Argentinier Raum für Einzelfallentscheidungen lässt. Medienberichten zufolge konzentriert sich Franziskus in dem Schreiben mehr auf die Schönheit der Liebe als auf konkrete Normen. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sieht in dem Schreiben von Papst Franziskus eine "Nagelprobe für die Reformfähigkeit der gesamten Kirche".
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