SPD-Chef als Kanzlerkandidat kaum mehr zu stoppen
Gabriels Coup

Berlin. Im Foyer des Willy-Brandt-Hauses haben sich viele Mitarbeiter im Schatten der überlebensgroßen Bronze-Figur des legendären Vorsitzenden aufgereiht. In ihren Gesichtern kann man Genugtuung, sogar ein bisschen Stolz lesen. Steinmeier wird Präsident. Das tut einer Volkspartei, die dieses Kriterium vielerorts nicht mehr erfüllt, gut. Aber niemand klatscht oder jubelt. Das wäre zuviel.

Auch Gabriel verkneift sich jede Geste. Ungewohnt bescheiden sagt der Parteichef auf die Frage, wie groß sein Anteil war, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer am Ende Steinmeier akzeptiert haben: "Ich habe gar nichts geschafft, sondern die Person Frank-Walter Steinmeier hat überzeugt." Das ist zweifellos richtig. Dennoch ist es vor allem Gabriels Triumph. Nach dem Mitgliederentscheid 2013 verbucht er den größten Erfolg seiner bundespolitischen Karriere.

Trotz seiner strategischen Meisterleistung im Fall Steinmeier bleibt Gabriel intern umstritten - die 74-Prozent-Klatsche vom Parteitag hallt nach. Wenn er die Kanzlerkandidatur haben will, wird ihn nun aber kaum jemand daran hindern können. Aber würden die Genossen sich mit heißen Herzen im nächsten Spätsommer im Wahlkampf in die Fußgängerzonen und auf die Marktplätze stellen, um für den oft ruppigen und wankelmütigen Vizekanzler Stimmen zu mobilisieren? Gerade der SPD-Nachwuchs von den Jusos spielt da eine Schlüsselrolle - und Gabriels Verhältnis zur Juso-Chefin Johanna Uekermann ist ziemlich angespannt.
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