SPD-Chef Gabriel und Parteifreunde dementieren Rücktrittsgerüchte
"Absoluter Quatsch"

Wie fest sitzt SPD-Chef Sigmar Gabriel noch im Sattel? Nach einem Rücktrittsgerücht, das "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort verbreitete, hagelte es heftige Dementis - auch von Gabriel selbst. Bild: dpa

Sigmar Gabriel gilt seit einer Schlappe bei der letzten Wahl zum Parteichef als angeschlagen. Die Umfragewerte für die SPD sind im Keller. Parteifreunde und er selbst dementieren lautstark ein Rücktrittsgerücht.

Berlin. Führende SPD-Politiker haben Gerüchte um angebliche Rücktrittspläne von Parteichef Sigmar Gabriel zurückgewiesen. SPD-Justizminister Heiko Maas sagte am Sonntag zu entsprechenden Äußerungen des "Focus"-Herausgebers Helmut Markwort: "Das ist so viel Quatsch, dass man es noch nicht mal richtig dementieren kann." SPD-Vize Ralf Stegner entgegnete Markwort auf Twitter: "Der hat wohl in München ein bisschen viel Sonne abbekommen." Gabriel selbst erklärte am Abend: "Dass man in Deutschland nicht mal mehr krank werden darf als Politiker, ohne dass einer dummes Zeug erzählt, hat mich auch ein bisschen überrascht."

Markwort hatte in einer Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks gesagt: "Ich habe aus zuverlässiger Quelle gehört, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zurücktreten will." Die Nachfolge sei bereits geklärt. "Olaf Scholz wird der neue Vorsitzende der SPD, der Hamburger Bürgermeister, und als Spitzenkandidat, als Kanzlerkandidat, ist der Schulz im Gespräch, Martin Schulz vom Europaparlament. Also Schulz und Scholz statt Gabriel." Auch Scholz dementierte die Gerüchte. Die ARD zitierte ihn auf Twitter mit den Worten: "Das ist absoluter Quatsch."

Einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge dringt der Parteichef nun darauf, erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2017 über den Kanzlerkandidaten seiner Partei zu entscheiden. Gabriel habe diesen Zeitplan in der SPD-Zentrale und vor der engsten Parteiführung vorgeschlagen. Eigentlich wollte die SPD die Entscheidung schon Anfang 2017 treffen. Der Termin für die Bundestagswahl im kommenden Jahr steht noch nicht fest. Nach Angaben des Bundeswahlleiters kommt dafür ein Termin zwischen dem 23. August und dem 22. Oktober 2017 in Frage.

"Die NRW-Wahl abzuwarten, ist absolut richtig", zitierte "Bild am Sonntag" einen hochrangigen SPD-Funktionär. Sollte die NRW-Wahl verloren werden, sei mit radikalen Konsequenzen zu rechnen. Trotz der schlechten Ergebnisse bei den Wahlen im März hatten SPD-Spitzenpolitiker betont, dass Gabriel den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur habe. (Kommentar und Seite 4)
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