SPD-Chef Gabriel wieder einmal auf Krawall gebürstet: Wirtschaftsminister regt sich über ...
Pampiges Duell mit ZDF-Journalistin

(dpa) Er hat es wieder getan. Vor fast genau zwei Jahren war es Marietta Slomka. Jetzt hat es Bettina Schausten erwischt. Die Rede ist von Sigmar Gabriel. Vizekanzler, Wirtschaftsminister, SPD-Chef - und gerne auch mal Raufbold.

Am Sonntagabend sehen die ZDF-Zuschauer, wie Gabriel sich ziemlich geladen und pampig bei "Berlin Direkt" mit der Journalistin Schausten anlegt. Die will wissen, ob die SPD und Gabriel, der abweichend von der Regierungslinie von einer Million Flüchtlinge oder mehr redet, Obergrenzen einziehen wolle und nicht mehr an Merkels Seite stehe.

Gabriel schaltet sofort in den Ego-Shooter-Modus. Er schimpft über "verrückte Fragen", um dann festzuhalten: "Nichts von dem, was Sie sagen, ist richtig, Frau Schausten, entschuldigen Sie, wenn ich das in aller Klarheit sage." Während CSU und CDU sich wie politische Feinde aufführten und sich gegenseitig in Karlsruhe verklagen wollten, werde der SPD unterstellt, die Schotten dicht machen zu wollen. Umgekehrt macht ZDF-Frontfrau Schausten einfach ihren Job. Nachbohren, was das mit der SPD und den Obergrenzen eigentlich bedeutet.

Reißt Gabriel wieder einmal mit dem Hintern ein, was er zuvor mühsam aufgebaut hat? In Mainz, wo die SPD einen Strategiekongress ausrichtete, legt er eine leidenschaftliche Rede hin, wie Deutschland die Probleme der Flüchtlingskrise packen könnte. Über 800 Gefolgsleute jubeln ihm zu. Offensichtlich berauscht von sich selbst fährt Gabriel mit seinen Bodyguards im Lift ins Untergeschoss des Fußballstadions von Mainz 05. Dort wird "Berlin Direkt" aufgezeichnet.

Im Netz geht die Post ab

In den sozialen Medien geht seitdem die Post ab. Viele haben noch Gabriels legendären Schlagabtausch mit Schaustens "heute-journal"-Kollegin Slomka im Kopf. Ende November 2013 ging es um den SPD-Mitgliederentscheid zur großen Koalition. Slomkas hartnäckige Bedenken, es könne verfassungsrechtlich bedenklich sein, wenn Hunderttausende SPD-Mitglieder mehr zu sagen hätten als das Wahlvolk, bürstete Gabriel am Ende so ab: "Tun Sie mir einen Gefallen: Lassen Sie uns den Quatsch beenden."

Für Gabriel spricht, dass er sich nicht verstellt. Oft wird beklagt, Politiker seien öde, lieferten nur weichgespülte Botschaften. Das Duell mit Schausten verlief nie unter der Gürtellinie. In den USA oder England geht es zwischen Reportern und Politikern viel härter zu.

Dennoch, in der SPD können sie von seinen Alleingängen ein Lied singen, Yasmin Fahimi besonders laut. Zwischen der Ex-Gewerkschafterin aus Hannover, seit Januar 2014 Generalsekretärin der SPD, aber dort wenig verankert, und Gabriel kracht es öfters. Aktuell ist Gabriel sauer, weil Fahimi vor dem Mainzer Parteitreffen in der "Rheinischen Post" verkündete, sie sei sich mit Gabriel völlig einig, dass sie im Dezember beim Berliner Parteitag zur Wiederwahl antritt. Die Gabriel-Leute sagen, der Chef habe sich noch nicht festgelegt.

Die Retourkutsche: Fahimi sagt, die SPD lehne trotz großer Bauchschmerzen die Transitzonen der Union an den Grenzen nicht komplett ab. Keine drei Stunden später verkünden Justizminister Heiko Maas und Fraktionschef Thomas Oppermann genau das. Dumm gelaufen.
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