SPD sucht Weg aus der Krise
Schärferes linkes Profil

Der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel will seiner Partei für den Wahlkampf ein linkes Profil verpassen. Bild: dpa

Seit Monaten steckt die SPD im Umfragetief. Beim Konvent in Berlin reißt sich die Partei am Riemen. Kritik am umstrittenen Vorsitzenden Gabriel bleibt aus. Der will die SPD mit Attacken auf die Union und einem schärferen linken Profil wiederbeleben.

Berlin. SPD-Chef Sigmar Gabriel will seine Partei mit einem Mitte-Links-Kurs stärker vom Koalitionspartner Union abgrenzen. Als "linke Volkspartei" wolle die SPD sich wieder verstärkt um Familien, Alleinerziehende und Rentner kümmern und Vertrauen zurückgewinnen, kündigte Gabriel am Sonntag bei einem kleinen Parteitag in Berlin an. Der Vizekanzler betonte, dies sei kein Strategiewechsel angesichts mieser Umfragen: "Links heißt nicht, auf die Mitte zu verzichten. Die Mitte ist auch der Ort zwischen unten und oben." Noch im Dezember hatte Gabriel beim Bundesparteitag eine betont wirtschaftsfreundliche Rede gehalten.

Bei dem Konvent mit mehr als 200 SPD-Funktionären wurde ein von Gabriel vor Monaten in der Flüchtlingskrise vorgeschlagenes "Solidarprojekt" konkretisiert. Es sieht Milliardeninvestitionen in Bildung, Straßen und sozialen Wohnungsbau vor.

Warnung an Union


Den Koalitionspartnern CDU und CSU warf Gabriel vor, mit ihrem Streit die Arbeit der Bundesregierung ernsthaft zu belasten. Das helfe nur den rechten Populisten von der AfD, denen Gabriel "deutschnationales Geschwafel" und reaktionäre Ansichten unter dem Deckmäntelchen von Flüchtlingen und Islam vorwarf. Die Union warnte er, der Geduldsfaden der SPD könne irgendwann reißen: "Die SPD ist das Schwarzer-Peter-Spiel leid." So will die SPD etwa den Widerstand der CDU bei mehr Lohngleichheit von Frauen und Männern nicht kampflos hinnehmen.

Offene Kritik an Gabriel und am Zustand der SPD blieb beim Konvent - der hinter verschlossenen Türen stattfand - aus, berichteten Vertreter der Parteiflügel übereinstimmend. Noch nicht endgültig ausgemacht ist, ob Gabriel die SPD als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2017 führen wird. Er selbst betonte, "über Personen zu reden, überlassen wir anderen". Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte den "Ruhr Nachrichten": "Niemand duckt sich weg. Ich bin sicher, dass die SPD sich sehr schnell und geschlossen auf einen Kanzlerkandidaten verständigen wird, wenn die Zeit dafür gekommen ist." Klar sei, dass der Parteivorsitzende das erste Zugriffsrecht habe.

Zusätzliche Polizisten


Die SPD beschloss auch Forderungskataloge zu innerer Sicherheit, Bildung und Wohnen. So bekräftigte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), dass er am liebsten noch dieses Jahr die Mietpreisbremse verschärfen möchte. So sollten Vermieter verpflichtet werden, dem neuen Mieter vor Vertragsunterschrift zu sagen, wie hoch die Miete bislang war. Die SPD schlägt zudem vor, 12 000 neue Polizisten in Bund und Ländern bis zum Jahr 2019 einzustellen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) meinte: "Eine gute Sozialpolitik ist die beste Kriminalpolitik." In der Bildungspolitik machte sich Gabriel für eine Abschaffung des Kooperationsverbots im Grundgesetz stark.
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