Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl
Zieht es Joachim Herrmann nach Berlin?

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sitzt in Bayern am Steuer. In seiner Partei wird gemutmaßt, dass er als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen und Bundesinnenminister werden könnte. Archivbild: dpa

Sollte Horst Seehofer wie erwartet als Ministerpräsident und CSU-Chef weitermachen, stellt sich noch die Frage nach dem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Und da wird vor allem ein Name genannt.

München. Schweigen kann Joachim Herrmann. Alles Fragen bringt nichts, ob ganz direkt oder verklausuliert. Will er Spitzenkandidat für die Bundestagswahl werden? Will er mit dem Amt des Bundesinnenministers seine Karriere krönen? Der bayerische Innenminister schaut den Fragensteller in solchen Momenten dann nur ganz ruhig an, manchmal grinst er ein wenig. Und schweigt.

Am Montag, 24. April, aber sollen die Fragen nach Herrmanns Zukunft beantwortet werden - auch wenn sich dann alle Augen vorrangig auf einen Anderen richten: Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer will verkünden, ob er in diesem Herbst noch einmal als Parteichef und 2018 nochmals als Ministerpräsident antreten will. Ernsthafte Zweifel, dass es so kommt, hatte intern zuletzt keiner. Damit hängt aber auch die Frage zusammen, wer Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl wird. Und da gibt es drei Möglichkeiten:

Seehofer macht auch den Spitzenkandidaten - aber nur auf dem Papier. Denn ein Wechsel des 67-Jährigen nach Berlin ist quasi ausgeschlossen. Für diese Variante spricht aus Sicht einiger CSU-ler, dass Seehofer der mit Abstand prominenteste CSU-Mann ist, und der größte Allrounder, den die Partei zu bieten hat. Damit könne er am meisten Stimmen holen - und gleichzeitig ein Gegengewicht zu Kanzlerin Angela Merkel bilden. Gegen diese Variante spricht, dass es schwer zu vermitteln ist, dass Seehofer kandidieren, aber nicht nach Berlin wechseln will.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bekommt den Spitzenplatz. Er könnte nach der Bundestagswahl den Vorsitz der Landesgruppe übernehmen - da läge auch die Spitzenkandidatur nahe.

Dritte und in den Augen vieler CSU-Spitzenpolitiker wahrscheinlichste Möglichkeit: Herrmann macht's. Dafür spricht, dass Herrmann wie kein anderer das Thema Innere Sicherheit besetzen könnte - und das gilt in Zeiten ständiger Terrorgefahr eben als Schlüssel-Wahlkampfthema.

Seit Monaten schon wird in der CSU aufmerksam registriert, wie oft Seehofer seinen Innenminister lobt. Selbstredend würde er ihn auch für den am besten geeigneten nächsten Bundesinnenminister halten. Seehofer schätzt Herrmann dafür, dass er normalerweise ohne Aufregung seine Arbeit macht. Der 60-Jährige kann aber auch anders: Wenn Herrmann sich provoziert fühlt, wird der sonst so ruhige Minister auch mal etwas lauter und aggressiver.

Inhaltlich verfolgt Herrmann den harten CSU-Kurs, etwa in der Flüchtlingspolitik: Obergrenze, Grenzkontrollen, Abschiebungen. Er macht dies allerdings nicht in Lautsprecher-Manier wie manch andere. Sollte die Union im Herbst weiterregieren können und der CSU das Bundesinnenministerium zufallen, könnte es also sein, dass Herrmann der starke Mann der CSU in Berlin wird. 2011, nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, hatte er einen Wechsel noch aus familiären Gründen abgelehnt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.