SPÖ hofft auf Christian Kern
Auf Schienen zum Kanzleramt?

Ein routinierter Selbstdarsteller: Der Chef der Österreichischen Bundesbahnen, Christian Kern, gilt nach dem Rücktritt Werner Faymanns als große Hoffnung der Sozialdemokraten der Alpenrepublik. Bild: dpa

Der Sanierer der Österreichischen Bundesbahnen, Christian Kern, gilt schon lange als Zukunftshoffnung der Sozialdemokraten. Nun ist der 50-Jährige auf dem Sprung zum Regierungschef. Die Genossen hoffen auf neuen Schwung für Land und Partei.

Wien. Seit vielen Jahren gilt der Medienprofi und messerscharfe Rhetoriker Christian Kern als beste Personalreserve der österreichischen Sozialdemokraten. Der Chef der Bundesbahnen ÖBB ist bestens vernetzt, in der SPÖ "groß geworden", aber nicht im verfilzten Parteiapparat gefangen. Nach dem Abgang des SPÖ-Chefs und Bundeskanzlers Werner Faymann (56) war der Ruf der Wähler nach einer echten Erneuerung an der Spitze groß. Kern ist in vieler Hinsicht der Gegenentwurf zu seinem als "Kuschel-Kanzler" bezeichneten Vorgänger. Das macht ihn jetzt zum Favoriten für die Nachfolge.

Manager-Typ


Verbindlich im Ton soll er seinen Mitarbeitern gegenüber sehr fordernd sein, heißt es. Auf Kritik reagiere er im kleinen Kreis schon mal dünnhäutig, er lasse sich nach außen aber nichts anmerken. Kern umgibt sich mit langjährigen Weggefährten. Als Bedingung für eine Annahme des SPÖ-Vorsitzes soll er vollen Handlungsspielraum verlangt haben. So könnte der SPÖ ein personeller Umbruch bevorstehen. Die Gunst der Gewerkschaften hat er sich als sozial kompetenter Manager erworben.

Die Karriere des aus einer einfachen Arbeiterfamilie stammenden Wieners ist steil: Nach einem Kommunikationswissenschaften- und Managementstudium startete er als Wirtschaftsjournalist. Rasch wechselte er in die SPÖ und wurde Büroleiter und Pressesprecher. Seine größte berufliche Herausforderung folgte 2010, als der vierfache Vater zum obersten Eisenbahner wurde - ein hochpolitisches Amt. Kern schlug sich gut. Er verlieh dem unbeliebten, subventionierten Staatsunternehmen wieder Glanz. Die maroden Finanzen der ÖBB brachte er großteils in Ordnung, profilierte sich in der Flüchtlingskrise vor einem Millionenpublikum. Kern versteht sich im Umgang mit Social Media und stellt sich gern als lockerer Typ dar - er postet schon mal Selfies vom Rockkonzerten.

Manche SPÖ-Genossen finden das Auftreten des passionierten Jägers mit geschliffener Rhetorik und teuren Anzügen zu arrogant. Trotzdem gilt Kern als einziger Genosse, der sich mit der Zukunftshoffnung des Koalitionspartners ÖVP, Außenminister Sebastian Kurz (29), messen kann. Witze, dass Kern und Kurz künftig die neue "K.-u.-K."-Republik anführen könnten, zieren schon die Gazetten.
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